Dr. Jens Noritz und Claus Herrmann sprechen im Interview über ihre Karriere bei Angermann und ihre neuen Aufgaben
Angermann hat im Jahr 2025 seinen Immobilien-Investmentbereich personell umstrukturiert. Der Vorstandvorsitzende Dr. Jens Noritz und Vorstandsmitglied Claus Herrmann gingen in den Ruhestand und wurden von ihrer langjährigen Tätigkeit als Vorstände der Angermann Investment Advisory AG (AIA) abberufen. Beide bleiben dem Unternehmen in einem neugegründeten Beirat jedoch erhalten. In IN.PUNCTO sprechen sie über ihre beruflichen Anfänge und Werdegang und wie sie die neue Aufgabe als Beirat angehen.
Herr Dr. Noritz, Sie sind seit 1991 bei Angermann tätig. Was hat Sie damals bewogen, im Immobilienbereich der Unternehmensgruppe anzufangen?
Mein Karriereschritt Richtung Angermann hat sich aus der Freundschaft zu Dr. Torsten Angermann ergeben und war ein klassischer Quereinstieg. Von Haus aus bin ich eigentlich Volljurist und hatte mit der Immobilienbranche bis dato eher wenig zu tun.
Hätten Sie an Ihrem ersten Arbeitstag gedacht, dass Sie fast 35 Jahre später immer noch im Unternehmen tätig sind?
Wer mich kennt weiß, dass es grundsätzlich meinem Typus entspricht, mich längerfristig an eine Aufgabe und ein Unternehmen zu binden. Vorausgesetzt natürlich, dass sich die gegenseitigen Erwartungen erfüllen. Außerdem hatte ich mir den Schritt wohlüberlegt, da ich zuvor einen guten und interessanten Job bei der Reederei H. Schuldt hatte, bei dem ich perspektivisch in die Geschäftsführung aufsteigen sollte. Die Voraussetzungen bei Angermann, wo ich von Anfang an ein hohes Maß an Eigenverantwortung, Flexibilität und unternehmerische Freiheit bekommen habe, waren für mich letztlich entscheidend für den Berufswechsel.
Wäre ein Quereinstieg wie Ihrer heute noch möglich?
Eine Karriere wie ich sie hatte, wäre heutzutage sicherlich deutlich schwieriger zu bewerkstelligen. Ein guter Verkäufer bleibt zwar immer ein guter Verkäufer, aber das gesamte Anforderungsprofil hat sich über die Jahre immer weiter erhöht. „Training on the Job” und “Learning by Doing” haben sicherlich ihren Charme, können angesichts der rasanten technischen Entwicklung aber nur bedingt mit einer zielgerichteten und fundierten Ausbildung konkurrieren.
Was waren Ihre wichtigsten Meilensteine auf dem Karriereweg?
Neben spannenden und finanziell lukrativen Investmentdeals wie dem Verkauf des Focus Teleport und des Potsdamer Platzes, war es für mich sicherlich ein wichtiger Meilenstein, dass ich schon 1993 Geschäftsführer wurde und in dieser Funktion damals für unsere Berliner Niederlassung zuständig war und mich schnell beweisen konnte.
Was sind für Sie die Erfolgsfaktoren einer guten Immobilienberatung und welche Eigenschaften sollte ein Berater haben?
Es ist keine Raketenwissenschaft, die wir betreiben. Fleiß, Hartnäckigkeit und Einsatzbereitschaft gepaart mit einem fundierten Fachwissen und einem seriösen Auftreten sind sicherlich Grundtugenden, die man in unserem Beruf erfüllen sollte. Darüber hinaus muss man sich intensiv mit der jeweiligen Immobilie befassen und die richtigen Fragen stellen können. Kenntnisse über das spezifische Marktumfeld und die jeweilige Asset-Klasse sind ebenfalls unerlässlich, um eine realistische und marktgerechte Preiseinschätzung abgeben zu können.
Wie wichtig ist ein gutes Netzwerk für den Erfolg?
Gute Kontakte innerhalb der Branche sind in jedem Fall ein wichtiger Erfolgsfaktor. Viele meiner Kontakte haben sich im Rahmen meiner Projekte und sonstigen Tätigkeiten ergeben. Über die Jahre ist es zudem immer wichtiger geworden, Veranstaltungen zu besuchen, um sich gezielt zu vernetzen. Trotz immer modernerer Kommunikationsmöglichkeiten betreiben wir immer noch ein personenbezogenes Geschäft. Deswegen halte ich es auch für unerlässlich, weiterhin vor Ort mit den Menschen zu reden, anstatt mich nur auf E-Mail, WhatsApp, Online-Meetings oder soziale Netzwerke zu verlassen, um meine Netzwerkkontakte zu pflegen. Rückblickend hat es sich für mich immer als vorteilhaft erwiesen, dass ich die Leute persönlich kannte.
Was sind ihre Aufgaben im neugegründeten Beirat, dem Sie nach Ihrer langjährigen Tätigkeit als Vorstand seit Juli 2025 angehören?
Meine neue Aufgabe verstehe ich so, dass ich dem jetzigen Vorstand mit Gerald Beuker, Markus Gabriel und Niels Stolzenberg weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehe und natürlich auch für alle anderen Teammitglieder eine offene Tür habe. Darüber hinaus will ich meine Erfahrung und die vorhandenen Kontakte weiterhin dafür nutzen, um Transaktionen zu realisieren. Die Arbeit bringt mir immer noch Spaß, und ich finde es gut, dass der Übergang in den Ruhestand schleichend und nicht abrupt ist. Ich freue mich aber auch, künftig mehr Zeit für die Familie und meine Hobbys zu haben.
Welche Karrieretipps würden Sie jüngeren Kollegen geben, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen?
Ein wichtiger Tipp ist sicherlich, nicht gleich aufzugeben, wenn ein Deal mal nicht wie gewünscht funktioniert. Manchmal beginnt das Verkaufen mit einem Nein und man muss mit viel Fleiß und Geschick das Glück zwingen. Viele Deals erfordern auch ein richtiges Timing und das Gefühl dafür muss man lernen. Ratsam ist es sicherlich zudem, auf eine gute und qualitativ hochwertige Ausbildung zu bauen, die breit gefächert ist. Danach sollte man praktische Erfahrungen auf verschiedenen Ebenen sammeln, um festzustellen, welche Tätigkeitsbereiche einem am besten liegen.
Herr Herrmann, Sie sind seit 2003 bei Angermann tätig. Was hat Sie damals bewogen, im Immobilienbereich der Unternehmensgruppe anzufangen?
Das hat sich eigentlich mehr ergeben, als dass es geplant war. Nach meiner Tätigkeit als Anwalt war ich als Syndicus bei der ECE tätig und hatte mit dem Maklerberuf bis dahin nichts am Hut. Insofern habe ich dann auch zunächst in die Projektentwicklung gewechselt und ging nach Essen zur mfi. Als mein damaliger Arbeitgeber ein Projekt, das mir am Herzen lag, nicht umsetzen wollte, hat mich Torsten Angermann, den ich vom Studium kannte, gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, das Projekt in seiner Firma zu realisieren.
Was waren die Unterschiede zu ihrer vorherigen Tätigkeit?
Als ich meinen ersten Arbeitstag hatte, zeigte mir man mein Büro und ich fragte, was ich tun sollte, da ich es gewohnt war, Aufgaben gestellt zu bekommen. Die Antwort von Torsten Angermann war „Deals machen“. Die Erwartungshaltung war, dass man sich seine Projekte und Aufgaben selbst suchte und sich so organisierte, dass man erfolgreich sein konnte. Diese Jobbeschreibung gefiel mir! Meinen Schwerpunkt hatte ich damals im Retail-Bereich. Später bin ich dann eher Generalist geworden.
Wenn man sich die Liste ihrer Transaktionen ansieht, dann fällt auf, dass sie gerne auch spezielle Herausforderungen angenommen haben. So konnten Sie unter anderem einen Offshore-Hafen in Cuxhaven verkaufen. Reizt Sie das Besondere besonders?
Auf jeden Fall. Anspruchsvolle Projekte, die vielleicht nicht jeder machen möchte, haben mich immer schon interessiert. Da es eigentlich nicht unbedingt mein Ziel war, Makler zu werden, versuche ich den Beruf meinen persönlichen Ansprüchen gemäß zu interpretieren. Ich freue mich deshalb auch, wenn ich im Rahmen eines Projektes, auf mein bei anderen Tätigkeiten erlerntes Wissen zurückgreifen kann.
Über welche Eigenschaften sollte ein Immobilienberater verfügen und was kennzeichnet eine erfolgreiche Immobilienberatung?
Verlässlichkeit, Fleiß und Ehrlichkeit sind sicher wesentlich. Darüber hinaus sollte man das Gefühl für das richtige Timing besitzen. Um erfolgreich beraten zu können, muss man wissen, wann es nötig ist zu pushen und wann der Fuß vom Gas gehen muss. Immobilientransaktionen sind häufig ein fragiles Gebilde. Gerade wenn ein Deal auf der Kippe steht, können persönliche Treffen, bei denen man als Makler zwischen den Beteiligten moderiert, ungemein helfen.
Ist persönliche Kommunikation für Sie ein Erfolgsfaktor?
Absolut. Für mich ist der persönliche Austausch essenziell für den Erfolg. Man muss rausgehen und dahinfahren, wo die Projekte sind und wo die Entscheidungsträger sitzen. Durch Gespräche ergeben sich Dinge. Ich war während meiner ganzen Karriere nie ein Stubenhocker und zähle bei Angermann sicherlich zu den Mitarbeitern mit den meisten Reisekilometern.
Wie beurteilen Sie die Kommunikationsmöglichleiten durch die sozialen Netzwerke?
Das sehe ich durchaus kritisch, zumindest, wenn dies die einzige Plattform ist, auf der man kommuniziert. Oftmals werden dort keine persönlichen Bindungen aufgebaut und der Austausch ist eher unverbindlich. Phrasen wie „Lass mal treffen“ oder „Wir müssen mal reden“ sind mir ein Gräuel. Wie gesagt, ich finde man muss vor Ort sein. Niemand kommt aus dem Bildschirm zu dir, egal wie lange man davorsitzt.
Wie wichtig ist ein gutes Netzwerk?
Ein funktionierendes Netzwerk ist extrem wichtig. Es hilft ungemein, wenn man in den unterschiedlichsten Bereichen und Branchen Menschen kennt, die gut sind, in dem was sie tun und die einem schnell und unkompliziert helfen können. Meiner Erfahrung nach knüpft man die wichtigsten Kontakte im Job. So bin ich an vielen Orten, an denen ich Projekte betreut habe, sehr gut vernetzt. Wichtig ist, dass man die Kontakte durch regelmäßige persönliche Besuche oder Anrufe pflegt. Entscheidend ist auch, dass man für seine Netzwerkpartner verlässlich ist, indem man das, was man sagt auch tut.
Was sind ihre Aufgaben im neugegründeten Beirat?
Der Beirat soll den Vorstand und unser sehr gut aufgestelltes Investmentteam beratend begleiten. Gemeinsam mit Dr. Jens Noritz, mit dem in den Jahren unserer gemeinsamen Vorstandstätigkeit gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet habe, will ich diese neue Aufgabe mit Leben füllen. Gleichzeitig bleiben wir beide auch weiterhin operativ tätig. Gerade bei Projekten, die schon einen längeren Zeitraum dauern, kann man nicht einfach den Hammer fallen lassen.
Welche Karrieretipps würden Sie jüngeren Kollegen geben, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen?
Sei offen, fair und geradeheraus. Das führt meiner Ansicht nach zum nachhaltigsten Erfolg. Früher wie heute gilt, dass man die Menschen kennen muss, mit denen man zu tun hat. In einer mittlerweile immer unpersönlicher werdenden Arbeitswelt kann die persönliche Präsenz ein Herausstellungsmerkmal sein. Ein weiterer Rat, den ich geben kann, ist nicht als Einzelkämpfer zu agieren, sondern im Team zu arbeiten und gemeinsam Erfolge zu feiern.
Diesen und weitere Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe unseres Kundenmagazins: IN.PUNCTO NO. 28