Interview mit EY-Real-Estate-Partner Lothar Rose und Angermann Vorstand Markus Gabriel

Networking in der Immobilienbranche

EY-Real-Estate-Partner Lothar Rose MRICS und Angermann Vorstand Markus Gabriel MRICS sprechen über ihre langjährige Freundschaft und wie wichtig ihnen ein gutes professionelles Netzwerk ist. 

Wie haben Sie sich kennengelernt und wo standen Sie in Ihrer Karriere?


Markus Gabriel:  Kennengelernt haben wir uns 2007 an der International Real Estate Business School (IREBS). 


Lothar Rose: Wir waren beide noch relativ jung und standen am Anfang unserer beruflichen Entwicklung. Ich weiß noch, dass wir alle darüber geschmunzelt haben, dass die erste Immobilie, die du vermarktet hast, eine Dönerbude gewesen sein soll. 


Markus Gabriel: Wir hatten das Glück, viele interessante und gute Kommilitonen in unserem Jahrgang gehabt zu haben. Neben dem Abschluss sollte ein wichtiger Bestandteil des Studiums auf jeden Fall sein, möglichst viele Menschen aus der Branche kennenzulernen und sein Netzwerk aufzubauen. Ich für meinen Teil habe in meinem Jahr an der IREBS viele tolle Kontakte geknüpft, wovon einige sich im Nachhinein in Form von gemeinsam abgeschlossenen Deals auch monetär gerechnet haben. 

 
Ist es ein Vorteil, wenn man sich so früh in seiner Karriere mit jemanden verbindet?
 

Lothar Rose: Da man das Studium eher am Anfang seiner Karriere absolviert, trifft man überwiegend auf Menschen, die sich ebenfalls in Juniorpositionen in ihren Unternehmen befinden. Über die Jahre steigen die meisten die Karriereleiter rauf und bekleiden Führungspositionen. Wenn solche Kontakte sich über eine so lange Zeit vertrauensvoll entwickeln, hat man vielfach einen leichteren Zugang zu Entscheidern und Multiplikatoren. Diese Möglichkeit des Netzwerkens ist sicherlich ein ganz elementarer Vorteil des Studiums. 
 

Markus Gabriel: Man wächst mit seinen Kommilitonen mit. Deren Erfolge pushen in gewisser Weise auch die eigene Entwicklung und die in jungen Jahren geschlossenen Kontakte sind wie ein Dünger, der in unserem Fall seit 2007 jedes Jahr das bestellte Feld erblühen lässt. 
 

EY-Real-Estate-Partner Lothar Rose MRICS

Inwieweit ist Ihre Beziehung exemplarisch für ihr Netzwerk oder nimmt sie eine Sonderstellung ein?
 

Markus Gabriel: Besonders ist bei uns sicherlich, dass neben der beruflichen Komponente auch eine freundschaftliche Ebene entstanden ist. Entsprechend bespricht man nicht nur fachliche Fragen, sondern tauscht sich auch über die Familie oder seine Hobbys aus.
 

Lothar Rose: Das ist über die Jahre gewachsen und basiert auch darauf, dass wir auf einer Wellenlänge funken. Zum Glück arbeiten wir auch nicht weit entfernt voneinander. Das bedeutet, wir können uns auch mal kurzfristig persönlich treffen. Darüber hinaus begegnen wir uns auf diversen Veranstaltungen oder unterstützen uns bei unseren eigenen Events. 
 

Wie intensiv halten Sie Kontakt zu den anderen Kommilitonen aus Ihrem Jahrgang?
 

Lothar Rose: Die Intensität ist ganz unterschiedlich. Mit dem einen ist der Austausch intensiver als mit dem anderen. Aber egal, wo man sich begegnet, es gibt immer Gelegenheit für einen gemeinsamen Austausch. Veranstaltungen von IMMOEBS beispielsweise haben deshalb auch immer den Charakter eines Klassentreffens. 


Markus Gabriel: Im Grunde gibt es jedes Jahr in unserem Terminkalender drei Veranstaltungen, bei denen wir uns in jedem Fall begegnen. Da ist zum einen der Neujahrsempfang der IMMOEBS, dann gibt es die jährlich veranstaltete Bootsfahrt und natürlich die Expo Real in München. Darüber hinaus treffe ich auch viele ehemalige Kommilitonen beim Flanieren auf der MIPIM in Cannes. Die Gefahr, dass wir uns aus den Augen verlieren, ist also relativ klein. 


Lothar Rose: Berlin macht es einem gegenüber anderen Städten zudem sehr leicht, sich zu begegnen. Es gibt eine Vielzahl von Veranstaltungen, die man besuchen kann. Darüber hinaus entscheidet aber auch das persönliche Engagement darüber, wie gut man in Kontakt bleibt. Wenn du nicht anrufst und ich dir nicht schreibe, dann würden wir uns auch nicht so oft sehen, Markus. 
 

Angermann Investment Vorstand Markus Gabriel MRICS

Inwieweit nutzen Sie den gegenseitigen Austausch professionell?
 

Lothar Rose: Der regelmäßige professionelle Austausch ist schon ein fester Bestandteil unserer Beziehung. Wir haben auch schon gemeinsam gepitcht und zusammen an Deals gearbeitet. Es ist meiner Ansicht nach nicht selbstverständlich, dass zwei Häuser, die ein ähnliches Geschäft betreiben, ihre Grenzen stellenweise überwinden, weil sie bei gewissen Projekten gemeinsam stärker auftreten können als allein.
 

Markus Gabriel: Das empfinde ich ganz genauso und hat für mich damit was zu tun, dass wir beide für die gleichen Werte einstehen, einen ähnlichen Führungsstil haben und uns vertrauensvoll auf Augenhöhe begegnen.
 

Wie wichtig ist Ihnen ein breit aufgestelltes Netzwerk?  
 

Lothar Rose: Also ich habe mir über die Jahre abgewöhnt, Kontaktanfragen oder andere Anliegen, die vermeintlich nicht zu mir passen, abzulehnen. In mir ist die Erkenntnis gereift, dass theoretisch aus jeder Situation etwas erwachsen kann. Insofern höre ich mir Sachen zumindest erst einmal an und überlege, ob es vielleicht in irgendeiner Form einen Mehrwert gibt. Ich würde also sagen, ich bin mittlerweile anderen Themen deutlich aufgeschlossener. Wie ist das bei Dir, Markus?


Markus Gabriel: Ich glaube, dass man langfristig deutlich resilienter und erfolgreicher ist, wenn man breiter aufgestellt ist. So sind wir neben unseren Kernkompetenzen inzwischen gut im Grundstückssektor vernetzt, was zuvor in dem Umfang überhaupt noch nicht der Fall war. Ebenso haben wir uns im Bereich Hotelvermietung und Hotelinvestment stärker eingebracht. 
 

Das Sammeln von Kontakten ist häufig nicht schwer. Wie baut man jedoch langfristige, vertrauensvolle Beziehungen auf und wie filtert man die Anfragen?
 

Lothar Rose:  Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sinnvoll sein kann, , Kontakte zu differenzieren. Ich will damit nicht sagen, dass ich private und geschäftliche Kontakte konsequent trenne, doch ich versuche zum Beispiel LinkedIn primär für Berufliches zu nutzen und Freundschaften eher über andere Kanäle zu pflegen.


Markus Gabriel: Ich verspüre immer mehr das Interesse, statt auf LinkedIn wieder verstärkt mit den Menschen persönlich zu kommunizieren. Das kann bei einem gemeinsamen Spaziergang im schönen Tiergarten, beim Kaffeetrinken am Kudamm oder beim Telefonieren sein. Tatsächlich ist das Telefon für mich das wichtigste Kontaktmittel. Bei der Vielzahl von Nachrichten, die ich täglich auf LinkedIn bekomme, ist es ganz wichtig nach wichtig und unwichtig zu filtern. Von 100 Nachrichten haben gefühlt 20 eine berufliche Relevanz und die anderen drehen sich um zwar zumeist schöne, aber ausschließlich private Erlebnisse. Da würde ich mich mir doch mehr Qualität als Quantität erhoffen. 


Welche Tipps haben Sie für Ihre jungen Mitarbeiter?
 

Markus Gabriel: Als Führungskraft ist es für mich sehr wichtig, unserem Nachwuchs die Möglichkeit zu geben, in Erscheinung zu treten. Ich nehme die jungen Kolleginnen und Kollegen deshalb gerne auf verschiedene Events mit, um sie dort auch anderen Teilnehmern vorzustellen. Sie sollen dadurch Anknüpfungspunkte bekommen, um ihr eigenes Netzwerk aufzubauen und kommerzialisieren zu können. 
 

Lothar Rose: Hierzu vielleicht noch ein Punkt, der nicht unwichtig ist. Viele Gespräche in unserem Geschäft finden zunächst einmal in der eigenen Alterskohorte statt. Für jüngere Kolleginnen und Kollegen ist es da zunächst einmal schwer, sich gewinnbringend zu positionieren. Deshalb ist mir ebenfalls sehr daran gelegen, den Nachwuchs frühzeitig einzubinden, indem man die Leute zu Veranstaltungen mitnimmt und sie motiviert, sich dort zu zeigen und Kontakte untereinander zu knüpfen. Letztlich ist es in unserem eigenen Interesse die jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stark und wettbewerbsfähig zu machen.
 

Wird diese Wertschätzung wertgeschätzt?
 

Markus Gabriel: Ja, unbedingt. Im Grunde geben wir aber nur den Staffelstab weiter. Wir wissen aus unseren Anfangsjahren ja selber, wie toll es ist, auf Veranstaltungen wie die Expo Real mitgenommen zu werden und dort mit vielen unterschiedlichen Menschen der Branche ins Gespräch zu kommen. 
 

Kann man Networking lernen?
 

Markus Gabriel: Absolut. Wichtig ist, dass man interessiert, aufgeschlossen und sympathisch ist. Gleichzeitig muss man sich auch die Zeit nehmen, um zu prüfen welche Kontakte hilfreich sind und mit wem man gut zusammenarbeiten kann. Letztlich besteht beim Networking immer auch die Gefahr, dass man zu viel Zeit mit Dingen verbringt, die keinen Impact haben. 
 

Lothar Rose: Wie viele Dinge im Leben ist auch das nutzbringende Networking ein Lernprozess. Im Laufe der Zeit sollte man verstehen, wann man sich zurücknehmen muss, wie man auf Leute zugeht und wie man die richtigen Fragen stellt. Routine erlangt man letztlich immer nur über das Tun.
 

Ein schönes Schlusswort
 

Markus Gabriel: Moment. Eine Frage habe ich noch, Lothar. Morgen um 12:30 Uhr Döner?
 

Lothar Rose: Gebongt
 

Diesen und weitere Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe unseres Kundenmagazins: IN.PUNCTO NO. 28

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