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Die Gesundheitsbranche gilt normalerweise als weitegehend konjunkturunabhängig und somit relativ krisenfest. Angesichts der Corona-Krise und der damit einhergehenden Kursentwicklung befürchten die Marktteilnehmer allerdings weitgehende Auswirkungen. Neben der Wahrscheinlichkeit von vorübergehenden Produktionsausfällen trübte die angeordnete Drosselung der Nachfrage nach medizinischen Eingriffen die Perspektive der Unternehmen ein.

Der im April von Oaklins Germany veröffentlicht Healthcare Report 1/2020 stellt die Frage, ob die Lage im Healthcare Sektor tatsächlich so schlecht ist, wie die Märkte es gerade spiegeln? Als Antwort werden vier Gründe genannt, warum es für den Wirtschaftszweig Sinn macht, optimistisch zu sein.

1. Eingriffe werden nachgeholt (Aufholeffekt)

Anders als Unternehmen in der Freizeitgestaltung (Hotels, Reisebetreiber, Airlines) die nach der Pandemie kaum mit Aufholeffekten rechnen können, wird das Gesundheitswesen den Rückstau an elektiven Eingriffen auflösen müssen. Fraglich ist nur, wann und in welcher Kapazität damit begonnen werden kann. Die Leistungserbringer dürften viele Quartale lang an der Kapazitätsgrenze arbeiten, um den Rückstau schrittweise abzubauen. Die vorgelagerte Industrie wird es freuen.

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2. Die Leistungserbringer können sich darauf verlassen, dass finanzieller Schaden durch die öffentliche Hand kompensiert wird

Angesichts der Lautstarken Forderungen internationaler Krankenhauslobbyisten hätte man den Eindruck gewinnen können, die Regierungen würden es im Zweifel tatsächlich darauf ankommen lassen, Krankenhäuser mit der Bewältigung wirtschaftlicher Folgen von COVID-19 allein zu lassen. Dass dies nicht so sein wird, zeigt exemplarisch der Entwurf des COVID-19-Krankenhausentlatstungsgestzes in Deutschland. Das Gesundheitswesen wird in allen entwickelten Staaten unlimitiert gestützt werden. Es werden sowohl während, als auch nach der Krise notwendige Investitionsgüter angeschafft werden.

3. Das Gesundheitswesen wird eine weitere gesellschaftliche Aufwertung erfahren

Die immer wieder angefachte Diskussion um Schließungen weiterer Krankenhäuser, um die Gesundheitskosten einer alternden Gesellschaft zu senken, dürfte angesichts der aktuellen Sorge vor einer Überlastung des Gesundheitswesens in Krisenzeiten wohl vom Tisch sein. Langfristig gesehen stellt es sich als positiver Effekt für die Hersteller von Medizinprodukten heraus – mehr Krankenhäuser, mehr Absatzpotenzial für Investitionsgüter.

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4. Große börsengelistete Unternehmen im Healthcare Sektor vefügen mehrheitlich über sehr gute Bilanzen

Rund 281 der 500 größten Unternehmen im Healthcare Sektor verfügen zum Zeitpunkt der letztmaligen Quartalsberichte über negative Nettofinanzverbindlichkeiten (Net Debt), was bedeutet, dass die Unternehmen mehr Barmittel als Finanzverbindlichkeiten hatten. Bei weiteren 162 Unternehmen war die Kennzahl Net Debt / EBITDA zwische 0 und 3 (wobei selbst ein Wert von 3 nicht als „kritisch“ gilt). Die großen Unternehmen im Sektor verfügen also mehrheitlich über eine sehr gute Stabilität und dürften durch diese Krise nicht existenziell bedroht sein. Somit können auch mittelständische Zulieferer darauf setzen, dass der Absatz bald wieder anzieht.

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