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Interview mit Holger Reichmann, NetBid Industrie-Auktionen AG

„Netzwerken ist kein Selbstzweck – es ist Teil unserer DNA“

Holger Reichmann von NetBid spricht über die Bedeutung von Kooperationen und Networking in der Insolvenzbranche.

 

Herr Reichmann, wie wichtig sind Vermarktungskooperationen für NetBid?
 

Kooperationen haben für uns eine zentrale Bedeutung. In einer komplexen und stark vernetzten Wirtschaft entstehen nachhaltige Lösungen nur selten im Alleingang. Strategische Partnerschaften innerhalb der Industrie erweitern unser Leistungsportfolio und verbessern den Zugang zu relevanten Absatzmärkten. Dadurch lassen sich Verwertungserlöse im Interesse aller Projektbeteiligten optimieren.
Wir verstehen Kooperationen nicht als kurzfristige Absatzmöglichkeiten, sondern als langfristige, vertrauensvolle Partnerschaften auf Augenhöhe. So tauschen sich beispielsweise Industrieversteigerer im Rahmen der Industrial Auctioneers Association (IAA) weltweit über Erfahrungen in der Vermarktung von Industrieanlagen aus. Besonders erfolgreiche Synergien entstehen, wenn marktführende Verwertungsexperten ihre Kompetenzen bündeln. Kooperationen mit Unternehmen wie Ritchie Bros. oder Gordon Brothers sind für uns ein bedeutender Vertrauensbeweis – und sie tragen sichtbar Früchte.


Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Netzwerkpartner aus?


Seriosität und Erfahrung stehen für uns an erster Stelle. Unsere Partner müssen unsere Wertvorstellungen teilen: Integrität, Zuverlässigkeit und Professionalität. Darüber hinaus spielen fachliche Kompetenz, Marktzugang und Innovationskraft eine wichtige Rolle. Entscheidend ist jedoch stets, dass eine Kooperation einen echten Mehrwert für beide Seiten schafft, von dem natürlich auch unsere Kunden profitieren sollen. Da unsere extravagante und vergleichbar kleine Branche über nur wenige erfahrene Marktteilnehmer verfügt, können nur so tragfähige Synergien entstehen.

 

Welche Bedeutung hat Netzwerken im Arbeitsalltag der Insolvenzbranche?


Netzwerken in der Insolvenzbranche sollte nicht primär erlösorientiert sein, sondern auf nachhaltige Synergieeffekte abzielen. Ziel ist es, diejenigen Dienstleister zu kennen und zu schätzen, die engagiert, lösungsorientiert und mit echtem Interesse an der Sache arbeiten. Vertrauen, insolvenzrechtliche Fachkompetenz und Verlässlichkeit bilden dabei die Grundlage einer erfolgreichen Zusammenarbeit. Diese gemeinsame Kompetenz gilt es jeden Tag, Projekt- bzw. Verfahrensübergreifend einzusetzen und unter Beweis zu stellen.

 

Wie viel Zeit investieren Sie persönlich in den Aufbau und Pflege ihres Netzwerks?


Zunächst einmal bedeutet Netzwerken für mich mehr als die bloße Pflichterfüllung einzelner Termine – es ist eine grundsätzliche Haltung. Neben der regelmäßigen Teilnahme an Branchenevents findet ein Großteil meines Netzwerkens im Alltag statt, sei es in Telefonaten, persönlichen Gesprächen oder informellen Begegnungen. Ein wesentlicher Teil meiner Arbeit besteht darin, Kontakte zu pflegen, Insolvenzverwalter mit fachlichem Know-how bei der Verfahrensbearbeitung zu unterstützen und den Dialog kontinuierlich aufrechtzuerhalten. Gerade in der Zusammenarbeit mit Insolvenzverwaltern und Restrukturierern ist dieser kontinuierliche Austausch entscheidend, denn Vertrauen entsteht nur über Zeit.
 

Welche Kanäle nutzen Sie für Ihre Netzwerkpflege?


Neben persönlichen Treffen nutze ich auch digitale Kanäle wie LinkedIn sehr intensiv. Anfragen von Redakteuren nehme ich ebenfalls gerne an und stelle auf Wunsch branchenbezogene Erfahrungsberichte zur Verfügung, welche in insolvenzrechtlichen Fachzeitschriften veröffentlicht werden. So erhöhe ich sowohl meine eigene Sichtbarkeit als auch den Bekanntheitsgrad von NetBid innerhalb der Branche.

 

Besuchen Sie gezielt Veranstaltungen, um Ihr Netzwerk auszubauen?


Ja, absolut. Ich nehme regelmäßig an Fachveranstaltungen, Branchentreffen und Fortbildungen teil, insbesondere in den Bereichen Insolvenz und Restrukturierung. Eine wichtige Rolle spielen dabei Berufs- und Fachverbände. Diese bieten nicht nur qualitativ hochwertige Fortbildungen, sondern auch eine hervorragende Plattform für den persönlichen Austausch und die nachhaltige Vernetzung der Branchenbeteiligten.
Verbände wie der VID, DAV, NIVD, BS-Inso, die TMA sowie das Norddeutsche Insolvenzforum leisten durch ihre Jahrestagungen einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der Insolvenzpraxis. Auch internationale Veranstaltungen wie die Tagungen von Prof. Dr. Markus Exler in Kufstein, INSOL Europe oder INSOL World ermöglichen wertvolle grenzüberschreitende Vernetzung. Persönlich engagiere ich mich als geschäftsführendes Vorstandsmitglied im BS-Inso (Bundesvereinigung der Sachbearbeiter in Insolvenzsachen e. V.). Im Mittelpunkt unserer Verbandsarbeit stehen Fortbildung sowie der praxisnahe fachliche Austausch zwischen Verfahrensbeteiligten, Kanzleimitarbeitern und weiteren Akteuren der Insolvenzbranche.

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Organisiert NetBid auch eigene Events?


Nicht komplett autark, aber wir unterstützen und begleiten aktiv verschiedene Branchenevents. Diese reichen von insolvenzrechtlichen Fachtagungen bis hin zu Veranstaltungen mit stärkerem Freizeit- und Netzwerkcharakter. Beispiele sind der Hamburger Krisencup – ein Fußballturnier, bei dem Insolvenzverwalter gegen Berater und Dienstleister antreten – sowie Formate wie InsoDart oder InsO Classic, bei dem der persönliche Austausch in Verbindung mit historischen Automobilen im Mittelpunkt steht. Ein gemeinsames Hobby, neben Insolvenzrecht, verbindet umso intensiver.

 

Wie pflegen Sie bestehende Kontakte?


Durch Verlässlichkeit, Erreichbarkeit und Offenheit. Nichts stärkt bestehende Geschäftsbeziehungen mehr, als durch fundiertes insolvenzrechtliches Wissen und jahrzehntelange Erfahrung in komplexen Unternehmensabwicklungen kontinuierlich Vertrauen aufzubauen. Aus rechtlicher Sicht haftet der Insolvenzverwalter für Fehler seiner Dienstleister – entsprechend hoch ist die notwendige Vertrauensbasis. Ziel ist es, so zuverlässig zu arbeiten, dass man im Namen des Verwalters eigenständig agieren darf.

 

Welche Tipps geben Sie jüngeren Kolleginnen und Kollegen?


Seien Sie neugierig, authentisch und pflegen eine hanseatische Zurückhaltung. Beim Netzwerken sollte man meines Erachtens nicht zu offensiv und bedrängend auf potentielle Auftraggeber zugehen. Das Sammeln möglichst vieler Visitenkarten ist noch kein Erfolg. Stattdessen gilt es, nachhaltig echte Beziehungen – manchmal sogar Freundschaften - aufzubauen. Ein belastbares Netzwerk entsteht nicht über Nacht, sondern wächst über Jahre hinweg,  getragen von der eigenen Haltung.

 

Kann man Networking lernen?


Ja, definitiv – allerdings nicht aus dem Lehrbuch. Networking ist eine Kombination aus Empathie, Erfahrung und Verlässlichkeit. Wer eine anspruchsvolle Zielgruppe wie überwiegend promovierte Volljuristen ansprechen möchte, muss dies wirklich wollen. Mit der Unterstützung erfahrener Netzwerker kann daraus jedoch eine ebenso herausfordernde wie lohnenden Aufgabe werden.
 

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Diesen und weitere Artikel finden Sie in der aktuellen Ausgabe unseres Kundenmagazins: IN.PUNCTO NO. 28

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