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Topthema Digitalisierung im Mittelstand

Unternehmen im Wandel

Ähnlich wie die industrielle Revolution hat der durch Digitaltechnik und Computer ausgelöste Umbruch starke Veränderungen sowohl in der Wirtschafts- und Arbeitswelt als auch in unserem Privatleben bewirkt. Die Geschwindigkeit, mit der die Digitalisierung fortgeschritten ist und weiter fortschreitet, ist beispiellos in der technologischen Entwicklung. Neue Medien prägen unser Miteinander, E-Commerce verändert unser Einkaufsverhalten und künstliche Intelligenz ist längst keine Science-Fiction mehr, sondern gehört zu unserer Realität. Beispiele wie Smart Home, selbstfahrende Autos oder Pflegeroboter zeigen, dass es bei der Umsetzung neuer digitaler Ideen keine Grenzen zu geben scheint.

Transformation oder Bedeutungslosigkeit

Für mittelständische Unternehmen ergeben sich durch die Digitalisierung zahlreiche Möglichkeiten hinsichtlich der Entwicklung neuer Geschäftsfelder. Aber wo Licht ist, ist bekanntermaßen auch Schatten. Nicht alle bestehenden Geschäftsmodelle und Produkte finden in der digitalen Welt ein Zuhause. Entweder transformieren sie sich oder werden bedeutungslos. Viele Unternehmen scheitern daran, die richtigen Ansätze zur Digitalisierung zu entdecken. Gerade erfolgreiche Unternehmen tun sich schwer, altbewährte Muster oder bislang funktionierende Prozesse zu verändern. Stattdessen wird versucht, diese weiter zu optimieren. Eine fehlende oder nur unzureichende Digitalisierungsstrategie kann sich später jedoch rächen und sogar die Existenz des Unternehmens bedrohen, wenn dadurch der Anschluss an den Wettbewerb verloren geht oder neue Konkurrenten den Kunden attraktivere digitale Lösungen präsentieren. „Um dem Entgegenzuwirken, bieten wir unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen Raum für neue Ideen. Design Thinking Days, ein Digitalisierungstag für Führungskräfte und die Teilnahme an Expertenvorträgen sind weitere Bausteine, um sich dem Thema zu nähern und für Angermann zu adaptieren“, sagt Dr. Torsten Angermann.

Pionier bei Online-Auktionen: NetBid

Ein Beispiel für eine gelungene Digitalisierung liefert die NetBid Industrie-Auktionen AG. Als das Unternehmen vor knapp zwanzig Jahren damit begann, den Verkauf von Maschinen und Anlagen in Form von Onlineauktionen zu organisieren, war das Feedback zunächst skeptisch. Heute ist das Verfahren etabliert und www.netbid.com zählt zu den größten europäischen Onlineplattformen zur Vermarktung von Investitionsgütern. Seit Neustem bietet NetBid zudem auf der Plattform www.vesselbid.com die Möglichkeit, auch Schiffe per Onlineauktion zu handeln. Im Mai 2018 wurde mit der erfolgreichen Online-Versteigerung des Containerschiffes „Buxharmony“ ein neues Kapitel bei Schiffsverkäufen aufgeschlagen. Es war das erste Mal, dass auf diese Weise ein Handelsschiff verkauft wurde. „Schiffe sind am Bankplatz Hamburg die logische Erweiterung unseres Angebotsspektrums der digitalen Vermarktung von Investitionsgütern,“ erklärt NetBid-Vorstand Clemens Fritzen den nächsten Digitalisierungsschritt. Und die nächste Plattform zur Digitalisierung eines analogen Marktes steht auch schon in den Startlöchern: ImmoBid wird eine Auktionsplattform für die Versteigerung von Immobilien.

Ein weiteres Digitalisierungsbeispiel aus dem Hause Angermann ist bürosuche.de. Die Online-Immobiliensuche, die zukünftig noch weiter ausgebaut werden soll, macht das Finden von Büroflächen im Internet für Büromieter deutlich übersichtlicher, komfortabler und anwenderfreundlicher.

Der Projektgedanke hat ausgedient

Bevor ein Unternehmen seine Digitalisierung vorantreibt, sollte es sich bewusstmachen, wo Handlungsbedarf besteht. So gilt es zu überprüfen, ob nur Kundenbeziehungen und Produkte einem digitalen Veränderungsprozess unterworfen werden oder auch interne Arbeitsabläufe, wie zum Beispiel die Buchhaltung oder der Bestellprozess von Waren. Bei der Analyse sollte darauf geachtet werden, welche neuen digitalen Geschäftsmodelle den Markt gerade verändern und wie angreifbar das eigene Geschäftsmodell dadurch ist. Eine Strategie, in der Ziele, KPIs und erste Milestones klar definiert werden, ist das Fundament einer erfolgreichen Digitalisierung. Dennoch muss gewährleistet sein, dass die Ziele jederzeit den Marktgegebenheiten angepasst werden können. Digitalisierung ist kein Projekt, sondern ein sich stetig entwickelnder Prozess, den alle Mitarbeiter*innen im Unternehmen mit tragen müssen. Ein sensibles Change-Management ist hier gefragt, das die Einbindung externer Fachkräfte notwendig machen kann. Aufgrund der Dynamik der technischen Entwicklungen und der Konkurrenz durch völlig branchenfremde Unternehmen, die neu in den Markt drängen, ist ein agiles Vorgehen notwendig. Die alte Projektstruktur hat ausgedient. Die Unternehmer müssen flexibel bleiben, Ideen schnell auf den Markt bringen, verbessern oder auch verwerfen. Viel Mut und das Lösen von Projektanfang und Ende sind ein Muss. „Für uns war es ein wichtiger und richtiger Schritt, bei der Digitalisierung unser Unternehmensgruppe auf externe Berater zurückzugreifen, die uns neue Wege aufzeigen und uns helfen, den Prozess gemeinsam mit unseren Mitarbeitern voranzutreiben“, sagt Dr. Torsten Angermann.

Digitalisierung ist im Mittelstand angekommen

Glücklicherweise haben im deutschen Mittelstand immer mehr Unternehmen das Thema Digitalisierung auf ihrer Agenda. Dies zeigen die Ergebnisse der repräsentativen Studie „Digitalisierungsindex Mittelstand“ aus dem Jahr 2017 von techconsult im Auftrag der Deutschen Telekom. Knapp 42 Prozent der befragten Firmen gaben an, dass die Digitalisierung inzwischen zur Geschäftsstrategie gehört. 2016 war das erst bei 27 Prozent der Unternehmen der Fall. Trotz dieser Entwicklung gibt es nach wie vor Bedenken. So fürchteten 35 Prozent der Befragten die hohen Investitionskosten. Die Sicherstellung des Datenschutzes (34 Prozent) sowie die Gewährleistung der IT-Sicherheit (33 Prozent) waren weitere Aspekte, die kritisch betrachtet wurden.

Fachkräftemangel verhindert Investition in die Digitalisierung

Laut des von Ernst & Young im März 2018 veröffentlichten „Mittelstandsbarometer 2018 -Digitalisierung“ zählen begrenzte finanzielle Mittel, fehlendes Know-how und fehlendes Personal zu den größten Faktoren, die verhindern, dass Unternehmen in die Digitalisierung ihres Geschäftes investieren. Gerade der zunehmende Fachkräftemangel sorgt dafür, dass angestrebte Veränderungen nicht im vollen Umfang oder gar nicht vorangetrieben werden können. Eine strategische und moderne Personalpolitik ist deshalb schon lange wichtig. Wer hier den Zug verpasst hat, steht heute vor massiven Problemen bei der Personalsuche. „Das wir bislang wenig Probleme haben, gut ausgebildetes Personal zu bekommen, liegt sicherlich auch darin begründet, dass es Teil unserer Philosophie ist, für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine positive und leistungsmotivierende Atmosphäre zu schaffen und sie dauerhaft mit Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen zu fördern. Wir werden als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen, der Entfaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten bietet,“ erklärt Dr. Torsten Angermann.

Der Digitalisierungsgrad ist nicht in alle Branchen gleich

Digitalisierung betrifft jedes Unternehmen und jede Branche. Digitale Vorreiter sind laut „Digitalisierungsindex Mittelstand“ Finanzdienstleister, IT- und Kommunikationsunternehmen sowie Verkehrs- und Logistikbetriebe. Auch die Industrie liegt im vorderen Drittel des Branchenvergleichs. Der Automatisierungsgrad ist insbesondere in der Automobilindustrie, der Luft- und Raumfahrt, im Maschinenbau und der Elektrotechnik entlang der Wertschöpfungskette hoch. Mit Industrie 4.0 hält nunmehr das Internet Einzug in viele Betriebe, was zugleich zu einer engen Verzahnung mit modernster Informations- und Kommunikationstechnik führt. Die Studie „Digitalisierungsindex Mittelstand“ stellt weiter fest, dass größere Unternehmen digital generell besser aufgestellt sind als kleine. Ein wesentlicher Grund hierfür ist das fehlende digitale Know-how. Im Gegensatz zu den meisten Großunternehmen können sich nicht alle Kleinstunternehmen IT-Experten auf der Payroll leisten. Dennoch sind auch sie bemüht, digitale Lösungen zu finden und umzusetzen. Positive Effekte lassen nicht lange auf sich warten: So geben laut der Studie 35 Prozent der Unternehmen an, dass durch die Digitalisierung der Umsatz steigt. Rund 45 Prozent stellen zudem eine gesteigerte Kundenzufriedenheit fest und für 50 Prozent wirkt sie sich positiv auf interne Prozesse aus.

Fazit

Immer mehr mittelständischen Unternehmen treiben zunehmend ihre Digitalisierung voran. Häufig stehen Probleme wie der Fachkräftemangel einer noch besseren Umsetzung im Wege. Generell lässt sich sagen, dass die Umstellung von Geschäftsmodellen, Produkten und internen Prozessen durchaus ein Erfolgsfaktor ist. Für die Zukunft wird die digitale Revolution weiterhin den Mittelstand bewegen und für Veränderungen in der Wirtschafts- und Arbeitswelt sorgen. Die Beispiele NetBid und bürosuche.de zeigen, dass sich das Nachdenken über weitere Digitalisierungsprojekte lohnt. Sie müssen allerdings zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt kommen und für den Kunden einen echten Mehrwert bieten. Wir als mittelständische Unternehmen können zwar nicht die gleichen Ressourcen in solchen Projekten aufwenden wie Großkonzerne, dafür können wir aber flexibler und schneller die Produkte auf den Markt bringen und Stück für Stück entwickeln.