Presse
Konservativ finanzierte mittelständische Käufer haben auch weiterhin wenig Probleme, Akquisitionen zu finanzieren. Nur sind die Kriterien, die das Übernahmeobjekt, der Käufer und die Gesamtstruktur der Transaktion erfüllen müssen, anspruchsvoller geworden.
Die Finanzierung großer Übernahmen ist seit einigen Monaten deutlich ins Stocken geraten. Dies ist eine ähnliche Überreaktion des Marktes, wie sie schon Anfang des Jahrzehnts nach dem Platzen der Technologie-Blase zu beobachten war. Zum Teil ist diese Marktreaktion ein durchaus notwendiger Heilungsprozess, denn der Anteil des Fremdkapitals am Gesamtkapitalbedarf einer Finanzierung (Leverage) lag bei Großtransaktionen zuletzt teilweise bei über 90 Prozent. Bei manchen Übernahmen wurde weder die Eigenmittelausstattung des Käufers ausreichend geprüft noch hinterfragt, ob die Ertragskraft des Übernahmeziels für die Refinanzierung des Kaufpreises ausreicht.
Im Mittelstand hingegen gab es keinen solchen Wildwuchs. Deshalb fällt die Gegenreaktion des Marktes hier weniger übertrieben aus. Sicherlich gibt es einige Banken, die aufgrund eigener Liquiditätsanspannung verhalten in der Kreditvergabe sind, aber letztlich ist ausreichend Geld im Markt, um Übernahmefinanzierungen bei moderater Strukturierung realisieren zu können.
Die Kriterien an die Kreditvergabe sind allerdings strenger geworden. Der Eigenkapitalanteil einer Finanzierung sollte deutlich oberhalb von 40 Prozent liegen, und die Bonität von Käufer und Zielunternehmen werden gleichermaßen berücksichtigt. Finanzierungen, die ausschließlich auf das Zielobjekt abstellen (non-recourse) sind im Moment praktisch nicht zu beobachten. Ein wichtiges Kriterium ist das Verhältnis von EBITDA zur Gesamtverschuldung, da es eine Indikation erlaubt, in welchem Zeitraum das Unternehmen seine Bankschulden zurückführen kann. Ein gesundes Maß ist kleiner als Faktor 4, während bis 2007 Werte von 6 bis 8 nicht unüblich waren.
Neben dem Eigenkapitaleinsatz und der Kapitaldienstfähigkeit der Transaktionsbeteiligten gibt es zwei weitere Kriterien, die für den verantwortlich handelnden Unternehmenslenker selbstverständlich sein sollten, aber dennoch nicht immer zur Anwendung kamen: Macht die Transaktion strategisch Sinn, und lässt sich der Kaufpreis insgesamt rechtfertigen? Die strategische Sinnhaftigkeit ergibt sich zum einen aus der Analyse von Markt-, Wettbewerbs- und Technologietrends, zum anderen aus wirtschaftlichen Überlegungen und der Einbeziehung von Alternativszenarien. Hier lautet die simple Frage: Welche Folgen ergeben sich, wenn ich die Akquisition nicht tätige und sie damit möglicherweise einem Wettbewerber überlasse?
Der Kaufpreis für ein Unternehmen lässt sich letztlich immer erst rückblickend rechtfertigen. Es gibt aber durchaus Indikatoren, die vor dem Kauf herangezogen werden sollten. Dies können die etablierten Methoden der Unternehmensbewertung sein, aber auch die Berechnung von Opportunitätskosten bei Realisierung eines Alternativszenarios oder die Quantifizierung zu erwartender Nachteile in der Marktposition, wenn sich beispielsweise ein Markteintritt durch organisches Wachstum anstelle einer Akquisition langsamer gestaltet. Der „eBay-Effekt“, nämlich „1-2-3-meins“, ist gerade bei unerfahrenen Unternehmenskäufern häufiger zu beobachten: Man lässt sich von einem Bietergefecht mitreißen und am Ende stellt sich der Kauf als überteuert heraus. Eine etwas kritischere Herangehensweise an die Akquisitionsfinanzierung kann davor bewahren.
Alles in allem gilt im Mittelstand, dass die Finanzierung überteuerter Transaktionen schwieriger geworden ist und dass darum Käufer, die sich eine Akquisition eigentlich nicht leisten können, mit Schwierigkeiten bei der Übernahmefinanzierung kämpfen müssen. Nur: Ist das wirklich so schade?
Abgesehen von der Finanzbranche hinterlässt inzwischen die Finanzkrise im Zusammenspiel mit der konjunkturellen Eintrübung und der Kreditverknappung deutlich ihre (Brems-) Spuren bei den internationalen Mergers & Acquisitions-Aktivitäten, stellt Hans Bethge, geschäftsführender Partner bei Angermann M&A International, fest. Und das gilt nicht nur für die großen Transaktionen. Nun trifft die Kaufzurückhaltung auch das als vergleichsweise resistent geltende Geschäft mit dem Mittelstand.
„Als einzige Ausnahme ist die Finanzbranche zu nennen. Hier haben die Kreditkrise und die daraus resultierende Schieflage einiger Finanzhäuser die Marktkonsolidierung naturgemäß beschleunigt“, beobachtet Bethge. Im Mittelstand seien die Auswirkungen zwar nicht so stark zu spüren, doch der Nachfragerückgang der Private-Equity-Branche zeige auch hier Wirkung. „Da mittlerweile eine Eigenkapitalquote von 40 bis 45% zur Finanzierung von M&A-Deals nötig ist, hat sich der Aktionsradius der Private-Equity-Branche signifikant eingeengt. Solange die restriktive Kreditvergabe anhält, ist deswegen aus diesem Sektor auch kein zusätzlicher Nachfrageimpuls zu erwarten“, zeigt sich Bethge realistisch.
Eine Gruppe an Interessenten – aus den Emerging Markets – lässt sich dadurch nicht abschrecken. Sie gehen auch weiterhin auf Schnäppchenjagd in Deutschland, wo die Unternehmenspreise ins Rutschen gekommen sind. Im internationalen Vergleich stuft Bethge sie zudem als günstig ein. Dazu kommt: „Da im Gegensatz zum US-Dollar viele asiatische Währungen Stärke zeigen“, sei das Interesse aus China, Indien und Russland an deutschen Firmen weiter ungebrochen hoch. Auch polnische Firmen treten immer öfter als Kaufinteressenten am deutschen mittelständischen Unternehmensmarkt auf.“
Was sich in vielen Köpfen noch nicht so richtig festgesetzt hat, ist, dass sich gerade finanz- bzw. eigenkapitalstarken deutschen Mittelständlern im derzeitigen Umfeld ebenfalls hervorragende Gelegenheiten bieten. „Der aktuell hohe Euro-Kurs bietet derzeit hervorragende Kaufkonditionen für deutsche Unternehmen im Nicht-Euro-Ausland.
Insbesondere der deutsche Mittelstand kann jetzt in den USA diverse Schnäppchen ergattern“, sagt der M&A-Experte mit Blick auf die aktuelle Marktlage. Und schließlich sind auch die Marktpreise beispielsweise amerikanischer Unternehmen deutlich gesunken. Die Entwicklung kann sich hier freilich schnell wieder drehen. Einkalkulieren muss man erfahrungsgemäß von der Suche bis zum Abschluss einer geeigneten Transaktion ein halbes bis ganzes Jahr.
Starker Euro lädt zu Firmenkäufen in den USA
Die Folgen der internationalen Finanzkrise sind immer deutlicher im deutschen M&A-Markt zu spüren.
«Die konjunkturelle Eintrübung – insbesondere in den USA – und die Kreditverknappung zeigen jetzt deutliche Bremsspuren bei den internationalen M&A-Aktivitäten», sagt Hans Bethge, geschäftsführender Partner bei Angermann M&A International aus Hamburg.
Insbesondere bei den grossen Transaktionen mache sich die Kaufzurückhaltung deutlich bemerkbar.
«Als einzige Ausnahme ist die Finanzbranche zu nennen. Hier haben die Kreditkrise und die daraus resultierende Schieflage einiger Finanzhäuser die Marktkonsolidierung naturgemäss beschleunigt.»
Mehr Eigenkapital nötig
Im Mittelstand sind die Auswirkungen zwar nicht so stark zu spüren, doch der Nachfragerückgang der Private-Equity-Branche zeigt auch hier Wirkung. «Da mittlerweile eine Eigenkapitalquote von 40 bis 45 Prozent zur Finanzierung von M&A-Deals nötig ist, hat sich der Aktionsradius der Private-Equity- Branche signifikant eingeengt. Solange die restriktive Kreditvergabe anhält, ist deswegen aus diesem Sektor auch kein zusätzlicher Nachfrageimpuls zu erwarten», zeigt sich Bethge realistisch.
Starker Euro lädt zum Kauf
Doch eröffnet die Finanzkrise auch interessante Kaufgelegenheiten. «Der aktuell hohe Euro-Kurs bietet derzeit hervorragende Kaufkonditionen für deutsche Unternehmen im Nicht-Euro-Ausland. Insbesondere der deutsche Mittelstand kann jetzt in den USA diverse Schnäppchen ergattern», bestätigt der M&A-Experte die aktuelle Marktlage. «Zum Währungsvorteil gesellen sich die deutlich gesunkenen Marktpreise amerikanischer Unternehmen. Für eigenkapitalstarke deutsche Mittelständler gibt es jetzt also Amerika zu Tiefstpreisen.»
Zeitlicher Horizont unklar
Nach Ansicht Bethges sollte der Trend des starken Euros noch eine Zeitlang anhalten, solange die Zinsdifferenz zu den USA weiterhin so besteht. Denn die gestiegene Inflation im Euro-Raum lässt kaum Spielraum für Zinssenkungen der europäischen Zentralbank. Doch wie lange die USUnternehmenspreise so niedrig bleiben, ist schwer zu prognostizieren. Zwar schwächt sich die amerikanische Konjunktur aktuell merklich ab, doch gleichzeitig eröffnet der schwache US-Dollar erhöhte Exportchancen für die US-Wirtschaft. Zudem gelten Präsidentschaftswahljahre als gute Börsenjahre: Sollte sich also die US-Börse wieder stabilisieren, könnten die übrigen Unternehmenspreise schnell anziehen. «Da von der Suche bis zum Abschluss einer geeigneten Transaktion ein halbes bis ganzes Jahr ins Land ziehen kann, sollten interessierte Mittelständler nicht zu viel Zeit verstreichen lassen, wenn sie in den USA tätig werden wollen», rät Bethge den deutschen Unternehmen.
Emerging Markets zeigen Interesse an KMU
«Da im Gegensatz zum US-Dollar viele asiatische Währungen Stärke zeigen, ist das Interesse aus China, Indien und Russland an deutschen Firmen weiter ungebrochen hoch. Auch polnische Firmen treten immer öfter als Kaufinteressenten am deutschen mittelständischen Unternehmensmarkt auf», weiss der M&A-Experte. Auch sei hier aktuell nicht mit einer Trendumkehr zu rechnen, da die deutschen Firmenpreise sich deutlich von ihren Höchstständen entfernt hätten und sie im internationalen Vergleich als günstig einzustufen seien. Zusammenfassend lassen die einzelnen Faktoren für Bethge auf eine moderate Jahresprognose hoffen: «Zeigt sich die deutsche Konjunktur weiterhin so robust, ist eine Stabilisierung des deutschen M&A-Marktes in der zweiten Jahreshälfte zu erwarten.»
M&A-Experte warnt vor Rückgang der Unternehmenspreise.
Die "fetten Jahre" für Unternehmensverkäufer sind vorüber, warnt der Hamburger M&A-Experte Hans Bethge. Nach Angaben des geschäftsführenden Partners bei der Angermann M&A International GmbH sei bereits "ein deutlicher Rückgang der teilweise überzogenen Unternehmensbewertungen" zu beobachten. "Der Einbruch der Nachfrage bei den Finanzinvestoren wirkt sich nun deutlich auf die zu erzielenden Marktpreise aus", sagt Bethge laut einer Pressemitteilung.
Insgesamt wirke sich die internationale Finanzkrise immer stärker auch auf den deutschen M&A-Markt aus. "Für 2008 erwarten wir für Deutschland einen Rückgang der Transaktionszahlen und der Transaktionsvolumina", sagt Bethge. "Wenn sich das zweite Halbjahr 2008 vom derzeitigen Trend nicht deutlich absetzen kann, ist bestenfalls eine Stagnation der deutschen M&A-Aktivitäten zu erwarten."
Die internationale Finanzkrise wirkt sich immer stärker auf den deutschen Markt für Unternehmenskäufe und -Fusionen (M&A) aus. Mit einem Wachstum im mittelständischen deutschen M&A-Markt sei nicht mehr zu rechnen, verkündet deshalb das Beratungsunternehmen Angermann M&A International. Man erwarte jedoch angesichts sinkender Unternehmenspreise hierzulande eine Zunahme der Aufkäufe mittelständischer deutscher Unternehmen vor allem durch osteuropäische Investoren. Ebenso sei zu erwarten, dass Verkäufe aufgrund von Nachfolgeregelungen und auslaufenden Mezzanine-Programmen ansteigen.
Der Einbruch der Nachfrage bei den Finanzinvestoren durch die Kreditkrise wirke sich deutlich auf die zu erzielenden Marktpreise bei Firmenkäufen aus. Damit verbunden sei eine Korrektur der teilweise überzogenen Bewertungen früherer Tage. Da im Mittelstand aber nur bei jeder dritten Transaktion Finanzinvestoren beteiligt waren, gleichen die strategischen Investoren nach Meinung der Berater die Zurückhaltung der Finanzinvestoren in diesem Jahr wieder aus.
Spätestens ab der zweiten Jahreshälfte 2008 werden aller Voraussicht nach jene Verkäufe, die aus Finanzierungsnotwendigkeiten heraus erfolgen, zunehmen, prognostiziert das Beratungsunternehmen. Um Liquiditätsengpässen vorzubeugen, werden einige Unternehmen die Anlehnung an strategische Investoren suchen. Ursache seien erste Mezzanine-Programme die demnächst auslaufen. Folgefinanzierungen seien in diesen Fällen durch die derzeitige restriktivere Kreditvergabe nicht immer oder zumindest nicht zu den bisherigen Konditionen gesichert – eine weitere Folgen der internationalen Kreditkrise. Mittelständische Unternehmen mit einer starken Eigenkapitalquote seien davon allerdings kaum betroffen, so die Experten.
Neben der Unternehmensnachfolge werde die Zunahme von grenzüberschreitenden Aufkäufen und Fusionen im deutschen Mittelstand – so genannte Cross-Border-Deals – ein weiterer bestimmender Faktor für das laufende Jahr sein. Das Interesse aus Osteuropa, China und Indien an der Übernahme von mittelständischen deutschen Firmen sei ungebrochen hoch. Hier könnten die sinkenden Preise sogar das Geschäft noch weiter ankurbeln, spekulieren die Fachleute. Das sei aber keine Einbahnstraße. Auch die Firmenkäufe durch deutsche Unternehmen im Ausland könnten davon profitieren.
Gegenüber Anrainerstaaten vor allem im Osten hätten die Deutschen hier noch ein großes Nachholpotenzial. Die günstige Euro-Entwicklung und die derzeit niedrigen Zentralbanksätze würden besonders eigenkapitalstarken deutschen Mittelständlern den Weg ins Ausland erleichtern, prognostizieren die Hamburger M&A-Experten.
Frankfurt - Die internationale Finanzkrise belastet immer stärker auch Übernahmen und Fusionen (Mergers & Acquisitions, kurz M & A) im deutschen Markt. Nach Ansicht von Hans Bethge, geschäftsführender Partner bei dem Beratungsunternehmen Angermann M & A International GmbH aus Hamburg, ist 2008 mittlerweile nicht mehr mit einem Wachstum im mittelständischen M & A-Markt zu rechnen.
Doch erwartet Bethge positive Impulse aus sinkenden Unternehmenspreisen, die eine Zunahme grenzüberschreitender Transaktionen wahrscheinlich machten. Er nennt hierbei insbesondere osteuropäische Investoren. Ebenso sei zu erwarten, dass Verkäufe aufgrund von Nachfolgeregelungen und auslaufenden Mezzanine-Programmen steigen.
Bestenfalls Stagnation
"Für 2008 erwarten wir für Deutschland einen Rückgang der Transaktionszahlen und der Volumina", ist Bethge skeptisch. Wenn sich das zweite Halbjahr vom derzeitigen Trend nicht deutlich absetze, sei bestenfalls eine Stagnation der M & A-Aktivitäten zu erwarten. Zwar wirke sich die Liquiditätsverknappung in erster Linie auf Deals jenseits der 75-Mill.-Dollar-Marke aus, doch die zunehmende Verunsicherung im Finanzsektor sei nun auch auf dem mittelständischen M & A-Markt zu spüren.
"Die éfetten' Jahre sind definitiv erst einmal vorüber, denn der Einbruch der Nachfrage bei den Finanzinvestoren wirkt sich nun deutlich auf die zu erzielenden Marktpreise aus", berichtet Bethge. So sei eine Korrektur der Bewertungen, die Bethge für teilweise überzogen hält, zu beobachten. Da im Mittelstand aber nur bei jeder dritten Transaktion Finanzinvestoren beteiligt waren, glichen die strategischen Investoren, die mit gut gefüllten Kassen im Mittelstand auf Einkaufstour seien, die Zurückhaltung der Finanzinvestoren aus.
Wenn Mezzanine ausläuft
Seiner Einschätzung nach werden spätestens von der zweiten Jahreshälfte an von Finanzierungsnotwendigkeiten erzwungene Verkäufe zunehmen. Um Liquiditätsengpässen vorzubeugen, suchten dann Unternehmen Anlehnung an strategische Investoren. Denn die ersten Mezzanine-Programme liefen bald aus, und die Folgefinanzierungen seien durch die restriktivere Kreditvergabe nicht für alle Unternehmen und zumindest nicht zu den bisherigen Konditionen gesichert. Dies betreffe vor allem Mittelständler mit einer schwächeren Eigenkapitalquote. Neben der Unternehmensnachfolge sei die Zunahme von grenzenüberschreitenden Deals im Mittelstand ein weiterer bestimmender Faktor im laufenden Jahr. "Das Interesse aus Osteuropa, China und Indien an der Übernahme von mittelständischen deutschen Firmen ist weiter ungebrochen hoch. Hier können die sinkenden Preise sogar das Geschäft noch weiter forcieren", sagt Bethge. Seiner Ansicht nach wird das Geschäft in die umgekehrte Richtung ebenfalls wachsen. Vor allem in Osteuropa hätten die Deutschen im Vergleich zu anderen Anrainerstaaten noch Nachholbedarf. Die günstige Euro-Entwicklung und die niedrigen Zentralbanksätze sollten eigenkapitalstarken deutschen Mittelständlern den Weg ins Ausland erleichtern.
(mih) Das renommierte Hamburger M & A-Beratungshaus Angermann M & A International rechnet aufgrund der sich zuspitzenden Finanzkrise nicht mehr länger mit einem Wachstum im mittelständischen deutschen M & A-Markt. “Wenn sich das zweite Halbjahr 2008 vom derzeitigen Trend nicht deutlich absetzen kann, ist bestenfalls eine Stagnation der deutschen M & A-Aktivitäten zu erwarten”, meint Angermann-Partner Dr. Hans Bethge. Positive Impulse für M & A-Deals sieht Bethge jedoch in den sinkenden Unternehmenspreisen, dem steigenden Interesse osteuropäischer Investoren an deutschen Unternehmen sowie in Unternehmensverkäufen infolge auslaufender Mezzanine-Programme.
“Spätestens ab der zweiten Jahreshälfte 2008 werden Verkäufe, die aus Finanzierungsnotwendigkeiten heraus erfolgen, zunehmen. Um Liquiditätsengpässen vorzubeugen, werden einige Unternehmen die Anlehnung an strategische Investoren suchen. Denn die ersten Mezzanine-Programme werden bald auslaufen, und die Folgefinanzierungen sind durch die derzeitige restriktivere Kreditvergabe nicht für alle Unternehmen und zumindest nicht zu den bisherigen Konditionen gesichert”, glaubt Bethge.
Hamburg und Stuttgart, 13. Januar 2008 – Die in Hamburg ansässige Angermann M&A International GmbH, das älteste und erfahrenste deutsche Beratungsunternehmen für Unternehmenskäufe und ‑verkäufe im gehobenen Mittelstand, ist durch die Übernahme eines siebenköpfigen Teams unter der Führung von Michael Thiele seit Jahresanfang auch in Stuttgart vertreten. „Der Name Angermann mit seinen starken hanseatischen Wurzeln und der weltweiten Präsenz als exklusives deutsches Mitglied der Beraterallianz M&A International Inc. steht künftig auch für beste Kontakte und langjährige M&A-Expertise im süddeutschen Raum“, kommentiert der geschäftsführende Partner Hans Bethge den Wachstumsschritt.
Dr. Michael Thiele, Jahrgang 1968, leitet als geschäftsführender Partner der Angermann M&A International GmbH die neue Stuttgarter Niederlassung, deren Team er als Gründer der Eicon Beratung und Beteiligungen erfolgreich aufgebaut hat. Über 50 Transaktionen hat er seit 1999 mit erfahrenen Mitarbeitern zum Abschluss gebracht. Zuvor war Thiele Leiter Mergers & Acquisitions einer gemeinsamen Tochtergesellschaft von Commerzbank AG und PricewaterhouseCoopers.
Wie am Stammsitz in Hamburg bietet Angermann auch in Stuttgart das gesamte Dienstleistungsspektrum für mittelständische Mandate im Bereich Mergers & Acquisitions, einschließlich Finanzierungs- und Emissionsberatung. Das neue Team bedeutet nicht nur mehr Nähe zu den Kunden in Süddeutschland, sondern verstärkt zugleich die Expertise in Maschinenbau, Automotive, Informationstechnologie und Dienstleistungen sowie bei Corporate-Finance-Projekten.
„Meine Stuttgarter Mitarbeiter und ich bieten unseren Kunden durch den Wechsel von Eicon zu Angermann vielfältige neue Perspektiven und Kontakte“, erläutert Thiele. Dies gelte sowohl innerhalb Deutschlands Richtung Norden als auch international durch die Anbindung an M&A International Inc., deren weltweit 42 Mitgliedsfirmen in 38 Ländern im Jahr 2007 mehr als 350 Transaktionen im Gesamtwert von knapp 20 Mrd. US-Dollar abgeschlossen haben.
Die gelungene Akquisition eines erfahrenen und etablierten Beraterteams unterstreicht Angermanns Marktstellung und Wachstumsaussichten im Bereich M&A. „Mittelständische Mandanten erwarten ebenso wie große Konzerne umfassende Betreuung in allen Regionen und in allen Phasen einer Unternehmenstransaktion“, so Bethge. Angermanns Verstärkung im Stuttgarter Raum, der traditionell durch einen besonders breit gefächerten und stark exportorientierten Mittelstand geprägt ist, sei daher aus Sicht der mittelständischen M&A-Beraterbranche als ein aktiver Konsolidierungsschritt zu verstehen, der den wachsenden Anforderungen und Bedürfnissen international tätiger Kunden Rechnung trage. Diese gemeinsame strategische Einschätzung sei die Basis, auf der Angermann und das Team vom Michael Thiele zusammengefunden hätten.
Über Angermann M&A International GmbH
Mit mehr als 2.500 betreuten Mandaten aus über 50 Jahren Geschäftstätigkeit ist die Angermann M&A International GmbH mit Sitz in Hamburg und einer Niederlassung in Stuttgart das älteste und erfahrenste deutsche Beratungsunternehmen für Unternehmenskäufe und ‑verkäufe im gehobenen Mittelstand. Als unabhängiger, mittelständischer Berater und exklusives Mitglied von M&A International Inc. betreut Angermann grenzüberschreitend die gesamte Bandbreite an Akquisitions- und Verkaufsstrategien.
djp-Spenden: DEUTSCHER JOURNALISTENPREIS fördert soziale und kulturelle Anliegen
15 gemeinnützige Organisationen erhalten insgesamt 10.000 Euro
Größte Spende von 2.000 Euro geht an die Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt e.V.
Frankfurt/Main und München, den 28. November 2007 – Die 20 Gewinner 2007 des „DEUT-SCHEN JOURNALISTENPREISES Börse | Finanzen | Wirtschaft“ (djp) und die 200 Gäste der festlichen Preisverleihung am 15. Oktober haben 15 gemeinnützige Organisationen aus-gewählt, denen die djp-Sponsoren insgesamt 10.000 Euro Spenden zuwenden. Im Rahmen des „The Early Editors Club“, eines regelmäßig stattfindenden informellen Pressefrühstücks, nahmen Vertreter folgender Organisationen gestern in Frankfurt und heute in München die Spenden entgegen:
Common Purpose Deutschland e.V. (500 €) empfohlen von Stefan Jäger, Freier Journalist
Deutsche Krebshilfe e.V. (500 €) empfohlen von Ingmar Höhmann, Freier Journalist
Deutscher Esperanto-Bund (D.E.B.) e.V. (500 €) empfohlen von Frank Stocker und Jan Dams, Welt am Sonntag
Förderverein des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses e.V. (ifp) (500 €) empfohlen von Christina Rathmann, Börsen-Zeitung Frankfurter
Tafel e.V. (1.000 €) empfohlen von Robert von Heusinger, Frankfurter Rundschau
Greenpeace (500 €) empfohlen von Andreas Uhde, Venture Capital Magazin
Hammer Forum (500 €) empfohlen von Nadine Oberhuber, Freie Journalistin
Haus St. Martin, Ingelheim (500 €) empfohlen von Prof. Dr. Hanno Beck, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt e.V. (2.000 €) empfohlen von Norbert Kuls, Frankfurter Allgemeine Zeitung, und Birgit Ochs, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, sowie von Gästen der Preisverleihung (Saalspende 1.000 Euro)
Plan International Deutschland e.V. (500 €) empfohlen von Beatrix Boutonnet, Freie Journalistin
Reporter ohne Grenzen (500 €) empfohlen von Martin Hesse, Süddeutsche Zeitung
Schwalbacher Tafel für den Ostkreis des Main-Taunus-Kreises (750 €) empfohlen von Walther Becker, Börsen-Zeitung
SOS-Kinderdorf e.V. (750 €) empfohlen von Markus Dentz, Finance Stiftung
Deutsche KinderKrebshilfe (500 €) empfohlen von Michael Hedtstück, Finance
Stiftung Pfadfinden (500 €) empfohlen von Joachim Althof, Jörg Lang, Ulrich Lohrer und Stefan Rullkötter, €uro
Der DEUTSCHE JOURNALISTENPREIS Börse | Finanzen | Wirtschaft (djp) wird gemeinsam verliehen von der DWS, Pioneer Investments, SimCorp, Angermann Global Property Alliance, BHW, Angermann M&A International und Capital Dynamics. Als Sponsoren würdigen sie damit die Bedeutung, die ein engagierter und qualifizierter Journalismus für das Verständnis der Strukturen und Entwicklungen in der Wirtschafts- und Finanzwelt hat. Mit einem Volumen 2007 von 42.000 Euro für insgesamt 15 Preise ist der djp der bedeutendste und inhaltlich brei-teste Journalistenpreis für Wirtschafts- und Finanzthemen in Deutschland.
Jeder Gewinner erhält neben einem persönlichen Preisgeld das Recht, eine gemeinnützige Organisation zu benennen, die einer der Sponsoren daraufhin mit einer Spende unterstützt. 9.000 Euro des Preisgeldvolumens werden hierfür verwendet. Zusätzlich stehen 1.000 Euro zur Verfügung, deren Verwendung die Gäste der Preisverleihung bestimmen (Saalspende).
Initiator des djp ist die Frankfurter PR-Agentur Northoff.Com Public Relations. Nähere Informa-tionen über den Preis, die Gewinner und Spendenempfänger 2007 sowie die Preisverleihung im Großen Ballsaal des Frankfurt Marriott Hotels vor sechs Wochen gibt es im Internet unter www.djp.info.
Spendenübergabe in Frankfurt:

Spendenübergabe in München:

Die Mittelstands-Finanzierung verändert sich
FLORIAN VON ALTEN | HAMBURG
Nicht erst seit Einführung der Basel-II-Kriterien hat der klassische Bankkredit als Finanzierungsquelle für den Mittelstand an Attraktivität verloren. Zwar ist er weiterhin die bedeutendste Fremdfinanzierungsform, daneben werden aber zunehmend alternative Instrumente wie Leasing, Factoring, Mezzanine-Kapital, Asset Back Securities oder Private Equity genutzt. Diese Instrumente erhöhen durch Bilanzverkürzungen, Bereitstellung von echtem Eigenkapital (Private Equity) oder Quasi-Eigenkapital (manche Formen des Mezzanine-Kapitals) die Eigenkapitalquote des Unternehmens. Das daraus resultierende verbesserte Rating senkt die Kosten für spätere Fremdkapitalaufnahmen. Nicht jedes mittelständische Unternehmen nutzt diese modernen Finanzierungsformen: Mit Ausnahme des Anlagenleasings werden viele dieser Instrumente nur für Unternehmen ab etwa 20 Mill. Euro Umsatz angeboten.
Denn für eine günstigere Refinanzierung am Kapitalmarkt muss der Finanzierer seine Kredite verbriefen. Das ist aber in der Regel nur möglich, wenn einzelne Engagements eine kritische Mindestgröße nicht unterschreiten. Die modernen Finanzierungen werden typischerweise nur für gesunde Unternehmen angeboten. In diesem Zusammenhang wird häufig das Rating „Investment Grade“ gefordert, wofür strenge Finanzkennzahlen, sogenannte Covenants eingehalten werden müssen. Mittelständler mit schwacher Eigenkapitalquote haben dabei das Nachsehen. Die Nutzung innovativer Produkte setzt eine hohe Transparenz in der Finanzberichterstattung voraus. Dies ist oft bei kleineren Unternehmen nicht gegeben. Ein aussagekräftiges Controlling und Reporting sind jedoch unerlässlich, damit die Finanzierungsprodukte kapitalmarktfähig werden. Häufig fehlt Mittelständlern das Verständnis dafür, dass sie für Produkte wie Factoring oder Mezzanine-Kapital deutlich mehr zahlen müssen als für den klassischen Bankkredit. Vielen Kreditnehmern ist nicht klar, dass die Anbieter dieser Finanzierungsarten ein deutlich höheres Risiko eingehen.
Anbieter trägt höheres Risiko bei alternativer Finanzierung
Ein professioneller Berater kann helfen, weitere Aspekte zu berücksichtigen. Manche mittelständische Unternehmen haben auf Empfehlung ihrer Banken ihre Bilanzsumme über das „Sale-and-Lease-Back“ nach HGB-Bilanzierung verkürzt und dadurch die Eigenkapitalquote erhöht. Eine böse Überraschung gab es jedoch, als die Unternehmen später an einen Käufer veräußert werden sollten, der nach IFRS bilanziert. Denn die IFRS-Rechnungslegung regelt deutlich restriktiver, ob ein Leasinggut in der eigenen Bilanz berücksichtigt werden kann.
Auch wird immer wieder Mezzanine-Kapital als Quasi-Eigenkapital ohne Mitspracherechte angepriesen, obwohl beim Verstoß gegen die Covenants die Entscheidungsbefugnis des Unternehmers oft eingeschränkt werden kann. Dennoch gilt: Moderne Finanzierungsformen bieten gesunden, größeren Mittelständlern echte Chancen, ihr Wachstum zu finanzieren.
Florian von Alten ist geschäftsführender Partner bei Angermann M&A International GmbH.
Die aktuellen Statistiken der internationalen Researchhäuser für Mergers and Acquisitions (M&A), zeigen für das erste Halbjahr 2007 ein neues Rekordniveau bei den weltweit angekündigten Übernahmen und Fusionen.
Die Experten des Beratungsunternehmens Angermann M&A International GmbH, Hamburg, erwarten auch hierzulande neue Höchststände, obwohl Deutschland dem internationalen M&A-Trend immer etwas hinterherhinke. Das Interesse werde sich vor allem auf die großen und mittelgroßen Unternehmen mit international ausgerichteten Geschäftsfeldern richten. Diese haben durch ihre Exportrekorde in den vergangenen Monaten Investoren im Ausland noch mehr auf sich aufmerksam gemacht. Ausländische Käufer deutscher Unternehmen kamen im ersten Halbjahr 2007 vor allem aus Asien und Osteuropa.
Die deutlich erhöhte Anzahl an Transaktionen bei nur moderat gestiegenen Volumina sei ein Beleg dafür, dass der deutsche Mittelstand immer stärker im Fokus der internationalen Investoren steht, so die Experten. Gleichzeitig stärkten besonders Finanzinvestoren den Wettbewerb um attraktive deutsche Targets, da sie aus dem Fundraising 2006 über umfangreiche Mittel verfügten, die nunmehr investiert werden müssten. Ein weiteres Indiz für die rege M&A-Tätigkeit in Deutschland sei der hohe Auslastungsgrad der führenden akquisitionsfinanzierenden Banken. Dieser Kreditsektor verspricht derzeit enorme Gewinne, so dass kleinere und sektorfremde Banken nun in dieses Geschäftsfeld stoßen wollen und ihrerseits den Trend stützen.
Einziger Wermutstropfen im deutschen M&A-Umfeld ist die Aussicht auf weitere Zinssteigerungen der internationalen Notenbanken. Der Zinsanstieg der vergangenen onate hat nicht zu einem Druck auf die Kaufpreise geführt, da die Banken noch immer ein hohes Leverage, also Eigenkapitalquoten bei Unternehmenskäufen von unter 30 Prozent zulasse. Doch es gibt erste Anzeichen aus Europa und den USA, dass die Banken bei weiteren Zinssteigerungen restriktiver bei der Kreditvergabe vorgehen wollen. Sollte es im Herbst zu einem weiteren Zinsanstieg kommen, erwartet Angermann M&A International erste negative Auswirkungen auf die erzielbaren Verkaufspreise. Dennoch rechnen die Experten damit, dass 2007 das die Zahlen des Vorjahres noch toppen wird. Für 2008 gehen sie davon aus, dass der Transaktionsmarkt eine Seitwärtsbewegung oder eine sanfte Landung vollziehen wird, sofern die Zinsen in der zweiten Hälfte des laufendes Jahres steigen sollten. (am)
Hohes Wirtschaftswachstum, vergleichsweise niedrige Löhne und die Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Viele osteuropäische Länder locken mit diesen traumhaften Rahmenbedingungen – und immer mehr internationale Investoren folgen dem Ruf. Doch auch osteuropäische Unternehmen sehen sich im Westen Europas nach Akquisitionsobjekten um. Dr. Hans Bethge, geschäftsführender Partner der Angermann M&A International GmbH, spricht über Chancen in Ländern wie Polen und Rumänien, die Rolle von Private Equity und erklärt, warum es fast schon zu spät ist, ein Unternehmen jetzt zu verkaufen.
VC-Magazin: Wie groß ist derzeit das Interesse an osteuropäischen Unternehmen?
Bethge: Osteuropa ist keine einheitliche Region, aber generell ist die Nachfrage nach osteuropäischen Unternehmen weiterhin hoch. Es gab die letzten zehn bis 15 Jahre einen Run auf Osteuropa. Es findet nun zwar eine Abkühlung statt, aber wir bewegen uns immer noch auf einem recht hohen Niveau. Interessant ist, dass wir auch einen gegengerichteten Trend beobachten: In Osteuropa sind die Unternehmen mittlerweile gut aufgestellt und verfügen über erstaunliche Mittel, mit denen sie auch in Westeuropa einkaufen. Die Nachfrage steigt.
VC-Magazin: Wenn man zwischen den Staaten Osteuropas differenziert – welche Länder stehen im Fokus?
Bethge: Ein reifes, auch aufgrund der Größe interessantes Land ist Polen. 2006 war dort ein Rekordjahr in Bezug auf M&A – im Vorjahresvergleich stieg die Anzahl der Deals um 24%. Das Volumen aller Transaktionen hat sich sogar um 38% erhöht. Aber der Run auf polnische Unternehmen aus dem Ausland heraus hat sich abgemildert, weil sich durch den Reifegrad eine Konsolidierungswelle abzeichnet. Die Zahl rein polnischer M&A-Transaktionen stieg von 53% im Jahr 2005 auf 62% im Jahr 2006. Die Nachfrage in Polen ist sehr stark ausgeprägt im Bereich Energie und insbesondere Energieverteilung, sprich Netze. Das wird sowohl vom Westen mit Interesse verfolgt als auch von den Energiegiganten in Russland. Aber gerade hier haben die Polen aus historischen Gründen viele Ressentiments. Daher sehe ich für russische Unternehmen nur geringe Chancen, zum Zuge zu kommen.
Der polnische M&A-Markt
Volumen Anzahl der Deals
2005 7,9 Mrd. USD 321
2006 10,9 Mrd. USD 398
Quelle: PCF Poland Corporate Finance
VC-Magazin: Wenn M&A-Transaktionen in Polen zunehmen, dürfte Private Equity ebenfalls profitieren, oder?
Bethge: Richtig, auch das ist ein Ausdruck des Reifestadiums, in dem Polen sich befindet: Es stehen Private Equity-Investoren mit erheblichem Kapital bereit, um polnische Transaktionen zu finanzieren. Unserer Einschätzung nach warten etwa 3 Mrd. USD auf Investitionen. Wie in Deutschland kommt der größte Teil des Kapitals aus dem Ausland, aber es gibt auch kleinere polnische Private Equity-Häuser, die von lokalen Banken ins Leben gerufen wurden.
VC-Magazin: Gibt es denn Gegenbeispiele zu Polen, sprich Länder, an denen der Aufschwung vorbei geht?
Bethge: Eine ganz andere Situation haben wir in Rumänien, wo wir einen auslaufenden old Rush beobachten. Dort sind noch wilde Investoren am Werk, die mit einer Hit-and-Run- Mentalität zuschlagen und nach einem halben Jahr Haltezeit teuer verkaufen. Aber auch in Rumänien zeichnet sich die Entwicklung hin zu einer professionellen Ausrichtung deutlich ab. Es gibt eine Reihe rumänischer, extrem professionell arbeitender Berater, und selbst ausländische Investoren werden mit offenen Armen empfangen. Im Gegensatz zu Polen ist die sprachliche Gewandtheit in Rumänien höher. In Polen brauchte man anfangs immer einen Dolmetscher, in Rumänien sprechen viele sehr gut Englisch und in Siebenbürgen viele Deutsch.
VC-Magazin: Welche Multiples sind bei M&A-Transaktionen in Polen oder Rumänien üblich?
Bethge: Nicht allein die Multiples sind entscheidend. Ein Multiple von sechs oder sieben auf einem konstanten Niveau ist nicht so viel, wenn Sie Umsatzsteigerungen von 30 bis 40% zugrunde legen. Noch wilder als in Rumänien sieht es diesbezüglich in der Ukraine aus, wo der internationale M&A-Markt noch ganz am Anfang steht.
VC-Magazin: Wer will stärker investieren und treibt die Preise – Strategen oder Finanzinvestoren?
Bethge: Die Finanzinvestoren schauen schon genau hin, die treiben die Preise in Osteuropa eigentlich nicht. Wie ich das eben für Rumänien aufgezeigt habe, sind die Bewertungen oftmals stark spekulativ. Die seriösen Fonds machen da nicht mit und steigen aus. Primär sind es dann die Strategen, die investieren. Finanzinvestoren finden Sie noch nicht in Staaten wie Rumänien und der Ukraine.
VC-Magazin: Können Sie noch Auswirkungen von 40 Jahren Sozialismus feststellen? Mit welchen Kulturunterschieden werden Sie konfrontiert, wenn grenzüberschreitend verhandelt wird?
Bethge: Viele Dinge haben sich angeglichen, in Polen herrscht in der gehobenen, vom Management geführten Industrie die gleiche Professionalität wie in Deutschland vor. Wir haben z. B. vor kurzem eine Transaktion abgeschlossen, bei der eine polnische Firma einen deutschen Mitbewerber übernommen hat. Beide waren im Bereich Lachsverarbeitung in Deutschland mit einem Umsatz von rund 150 Mio. Euro gleich stark. In den Verhandlungen mit dem polnischen Unternehmer hat man gemerkt, dass es im Mittelstand noch sehr hemdsärmelig zugeht. So waren ihm etwa die deutschen Anwälte zu teuer und auch bei der Due Diligence mit einem internationalen Wirtschaftsprüfer wurden Grenzen eingezogen. Die Prüfung war nicht so umfänglich, wie wir das von westeuropäischen Konzernen kennen. Auf der anderen Seite war der Unternehmer auch bereit, einen guten Preis zu zahlen. In einer internationalen Auktion hat er die Finanzinvestoren aus dem Feld geschlagen. Als strategischer Investor kann er natürlich auch erhebliche Synergien heben, er ist jetzt europäischer Marktführer.
VC-Magazin: Sind in Polen Auktionsprozesse mittlerweile Standard?
Bethge: Natürlich, die Globalisierung hält auch hier Einzug. Mit Sicherheit gilt für Polen, die Tschechische Republik, Ungarn und für Teile Russlands, dass die Prozesse wie in Westeuropa ablaufen. Auch Slowenien ist ganz professionell aufgestellt – das Land ist trotz seiner geringen Größe ein interessanter Markt. Wir erwarten dort in diesem Jahr einen sehr schönen Deal: Die slowenische Telekom soll privatisiert werden. Die Auktion wird wohl bei rund 3 Mrd. Euro enden. Das wäre für dieses kleine Land der mit Abstand bisher größte Deal.
VC-Magazin: In Deutschland und im UK existieren gewisse Ressentiments gegenüber Private Equity. Gilt das auch für Osteuropa?
Bethge: Die Aufgeschlossenheit ist da, in Polen alle Mal, und Russland professionalisiert sich auch. Dort entwickeln sich langsam lokale Private Equity-Geber. Die Oligarchen haben dieses Spielfeld entdeckt, und daher fließen erhebliche Summen in diese Fonds. Diese Aversion, hohe Bewertungen oder hoher Leverage, existiert in Osteuropa noch nicht.
VC-Magazin: Sie sind seit 1979 bei Angermann International. Wenn Sie, losgelöst von Osteuropa, auf den M&A-Markt und seine Zyklen schauen: Wo befinden wir uns derzeit, und wo geht die Reise hin?
Bethge: Ich habe in dieser Zeit natürlich einige Hochs und Tiefs erlebt, zuletzt das Platzen der Internetblase um 2000. Wir befinden uns momentan in Gipfelnähe, denn die Zinsentwicklung wird speziell im vierten Quartal noch einen Schub bekommen. Das wird Folgen haben, vor allem für den Finanzierungsmix von Private Equity. Die fundamentalen Daten der Unternehmen sind aber solide, insofern wird keine Blase platzen. Ein Soft Landing ist das realistischste Szenario. Aber insgesamt wird 2007 wohl ein gutes Jahr werden, das – wenn nicht alles schief läuft – das gute 2006er Ergebnis nochmals toppt.
VC-Magazin: Unternehmensverkäufe sollte man also bald umsetzen?
Bethge: Unbedingt! Es ist fast schon zu spät, man braucht eine Vorlaufzeit von rund sechs Monaten. Jetzt ist allerhöchste Eisenbahn, noch sind in Deutschland und in Westeuropa die Preise gut. In den USA bröckeln sie dagegen schon. Spätestens in einem Jahr gönne ich mir eine schöne Flasche Rotwein, wenn ich Preise wie heute erziele.
VC-Magazin
andreas.uhde(at)vc-magazin.de
: Herr Dr. Bethge, besten Dank für das informative Gespräch!
Zum Gesprächspartner
Dr. Hans Bethge ist geschäftsführender Partner der Angermann M&A International GmbH, wo er seit 1979 tätig ist. Die Gesellschaft mit Hauptsitz in Hamburg ist Mitglied des Netzwerks M&A International Inc. und hat in ihrer über 50-jährigen Geschichte mehr als 2.000 M&ATransaktionen begleitet.
Nervöse Anleihemärkte machen den Kauf einer Drogeriekette durch Beteiligungsgesellschaft KKR zum Testfall. Experten erwarten Rückgang der Kapitalflut.
Ende April war noch alles in bester Ordnung. Die US-Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts, kurz KKR, übernahm mit anderen zusammen für 22 Milliarden Dollar die britische Drogeriekette Alliance Boots. Der hohe Kaufpreis war kein Problem. Bereitwillig standen Deutsche Bank, JP Morgan und die HypoVereinsbank-Mutter Unicredit mit einem Finanzierungsplan parat. Die Zinsen waren niedrig, die vom Schuldner zu erfüllenden Bedingungen lax.
Keine drei Monate später ist für KKR und die Banken plötzlich nicht mehr alles in bester Ordnung. Ausgerechnet in dem Moment, in dem sie Investoren suchen, die ihnen einen Teil des Bootskaufpreises refinanzieren sollen, sind die Akteure am Anleihenmarkt so nervös wie seit Langem nicht mehr. Die Risikoaufschläge bei Unternehmensanleihen sind in den vergangenen Tagen sprunghaft nach oben geschossen. Die Gläubiger-Suche bei der Milliarden-Übernahme von Boots wird zum Härtetest für das weitere Geschehen am europäischen M&A-Markt - und damit auch für das weitere Geschehen an den Börsen. Viele Aktienkurse verdanken schließlich ihren Höhenflug nicht zuletzt den immer neuen Übernahmegerüchten.
"Vor einigen Wochen bettelten Vertreter von Banken, Versicherungen, Pensionskassen und Hedgefonds am Telefon noch um Anleihen, in die sie ihre Millionen investieren können. Heute sitzen viele von denen auf ihren Händen und warten erst einmal ab", sagt Robin Menzel von der in London ansässigen Bank Augusta & Co. Das Haus hat sich darauf spezialisiert, für Unternehmen Fremd- und Eigenkapital zu besorgen.
Noch will niemand davon sprechen, dass der Boom bei Fusionen und Übernahmen mangels billiger Liquidität ein jähes Ende finden könnte. Noch brummt die Konjunktur. Die Kapitalmärkte werden gerade aus rohstoffreichen Ländern mit Geld überschüttet. Es ist nur von einer "längst überfälligen Preisanpassung" auf dem Kreditmarkt die Rede. Seit Monaten schon forderten Notenbanker, Finanzaufseher und auch der ein oder andere Chef einer Großbank mehr Vorsicht bei der Vergabe von Darlehen. Die Preise deckten längst nicht mehr die Risiken ab. Steigen die Zinsen weiter und kommt die Wirtschaft ins Stocken, wird sich das Bild allerdings verschlechtern. Gerade Beteiligungsgesellschaften wie KKR, die bei einer Übernahme den weit überwiegenden Teil des Kaufpreises fremd finanzieren, werden sich dann bei Auktionen auch einmal mit einem Gebot zurückhalten.
"Wer als Verkäufer noch einen hohen Preis erzielen will, muss sich sputen", sagt Hans Bethge von dem auf Mittelständler spezialisierten Beratungshaus Angermann M&A International. Doch auch er lässt sich die Stimmung nicht so schnell vermiesen. Für einen Rekord bei Übernahmen in diesem Jahr sollte der Schwung der vergangenen Monate noch reichen. Für 2008 geht er dann von einer "sanften Landung" aus. "Statt Champagner trinken wir künftig halt wieder Sekt."
Zahlreiche Investmentbanken, Anwaltskanzleien und Wirtschaftsprüfer rüsten unterdessen schon für den Niedergang des M&A-Geschäfts. Gesucht sind Fachleute, die helfen können, wenn die waghalsigen Finanzierungen der vergangenen Monate nicht mehr aufgehen und überschuldete Unternehmen aus Private-Equity-Portfolien eine neue Finanzstruktur brauchen. "Derzeit bauen alle Restrukturierungsabteilungen auf", sagt Ansgar Zwick, von der auf dieses Thema spezialisierten Investmentbank Houlihan Lokey Howard & Zukin. In den nächsten zwei bis drei Jahren wollen alle mitverdienen, wenn es an die Aufräumarbeiten nach dem M&A-Boom geht - dessen Ende in den vergangenen Tagen ein kleines Stückchen näher gerückt ist.
Der schwache Dollar und die sich weiter abkühlende US-Konjunktur stellten deutsche Familienunternehmen derzeit vor große Herausforderungen. Besonders betroffen sind dabei u.a. Röchling und Freudenberg, deren Geschäft zu jeweils rd. 50% auch noch stark von der vor allem in den USA unter Druck stehenden Automobilwirtschaft abhängt. Ein Umdenken in Richtung Asien bzw. China und Osteuropa ist ebenso nötig wie der Aufbau neuer Geschäftsfelder. Milliardenschwere Großeinkäufe sind für die Familienunternehmen allerdings kaum zu finanzieren. Ein Lösungsweg für die beiden kurpfälzischen Nachbarn kann daher eine vorausschauende und behutsame Portfolio-Politik sein.
So hat sich etwa Freudenberg, die 2004 mit Burgmann (Dichtungen) und der amerikanischen Chem-Trend (Chemie) 2 besonders große Zukäufe zu verdauen hatte, 2006 eher mit kleineren Akquisitionen in der Gesundheitsbranche und der Öl- und Gasindustrie verstärkt. Daneben stand organisches Wachstum in Russland und China, wo u.a. Produktionsstätten für Schmierstoffe und Haushaltsprodukte („Vileda“) eröffnet wurden, ganz oben auf der Agenda.
Auch 2007 setzt Freudenberg-Chef Peter Bettermann eher auf organisches Wachstum. Großakquisitionen sind nicht geplant. Immerhin müssen die Weinheimer trotz hoher EKQuote von zuletzt 46% und guter Zahlen (Ergebnis 2006: +9% auf 304 Mio. Euro bei 5 Mrd. Euro Umsatz) seit 2004 immer auch ein Auge auf die Verschuldung werfen. Diese ist um 45 Mio. auf 645 Mio. Euro gestiegen. Der Grund dafür ist aber vor allem, dass die 300 Familiengesellschafter ihre Ausschüttung noch nicht von den beim Unternehmen geführten Gesellschafterkonten abgerufen haben.
Beispiel Röchling. Mit dem Verkauf der letzten nicht mehr zum neuen Kerngeschäft passenden Einheiten BEA (Elektronik) sowie des Stahl-Kaltwalzwerks hat der frühere Rheinmetall-Hauptgesellschafter Röchling die Konzentration auf das Kunststoffgeschäft abgeschlossen. Für Röchling-Vormann Georg Duffner stehen jetzt Zukäufe auf der Tagesordnung. In den vergangenen Monaten haben die Mannheimer bereits 5 Unternehmen mit einem Umsatzuvolumen von 70 Mio. Euro erworben. Wie Duffner im Gespräch mit Platow bestätigt, gibt es aktuell weitere Gespräche mit mehreren Adressen über mögliche Akquisitionen. Röchling sei aber nicht unter Druck partout zukaufen zu müssen. Das Wachstum der Gruppe sei auch in der bisherigen Aufstellung gesichert.
Mit dem Ergebnis im vergangenen Jahr ist Duffner denn auch zufrieden. Das Ergebnis vor Steuern legte trotz höherer Energie- und Rohstoffkosten sowie anhaltendem Margendruck im Autobereich um 33,6% auf 44,4 Mio. Euro zu. Im laufenden Geschäftsjahr will der Röchling- Chef zwar ein erneutes Rekordergebnis vorlegen, genaue Prognosen lehnt Duffner aber ab. Für Unsicherheit sorgen neben den Energie- und Rohstoffpreisen vor allem die weitere Entwicklung der US-Konjunktur sowie der Strukturwandel in der Autoindustrie.
Gerade die angeschlagenen Autokonzerne konfrontieren die Zulieferer aktuell mit massiven Preissenkungsforderungen. Letztlich helfen dann nur interne Rationalisierungsanstrengungen und weiteres Wachstum, so Duffner. Die durch den Private Equity-Boom teils kräftig gestiegenen Unternehmenspreise haben externes Wachstum für die Familienunternehmen aber empfindlich verteuert, klagt der Röchling-Chef. Das wirke sich längst auch auf die Preise kleinerer Gesellschaften aus. So bestätigt auch Hans Bethge, geschäftsführender Partner bei dem auf mittelständische Unternehmen fokussierten M&A-Berater Angermann, dass aktuell viel Geld im Markt sei. Dabei seien nicht nur Finanzinvestoren auf der Kaufseite, auch deutsche Mittelständler gehören längst wieder zu den Käufern. Bei der Entwicklung zum globalen Lieferanten führt an teuren Zukäufen im Ausland oft kein Weg vorbei.
Viele mittelständische Beteiligungsfirmen wie Afinum, Capiton, DBAG, ECM oder Halder haben im letzten Jahr für ihre neuen Fonds erfolgreich Kapital akquiriert. Dies werde 2007 für ein beachtliches Aktivitätsniveau der Finanzinvestoren im deutschen Mittelstand sorgen. Dabei sei als neuer Trend die Fokussierung der Private-Equity-Fonds auf mittelgroße und große Zielunternehmen zu erkennen, so die Angermann M&A International GmbH in Hamburg.
Nahezu alle Finanzinvestoren, die im letzten Jahr einen neuen Fonds auflegten, hätten dabei ihre Investitionskriterien hinsichtlich Mindestumsatz und –transaktionsvolumen angehoben. Jenseits von 100 Mio. EURO Transaktionsvolumen werde die Anzahl potenzieller Bieter aus der Private-Equity-Branche deutlich geringer. Auf der Verkäuferseite sei bei vielen mittelständischen Unternehmern, die ihre Nachfolge regeln wollten, noch immer eine gewisse Skepsis gegenüber Finanzinvestoren festzustellen, weil diese immer nur als Partner auf Zeit agierten und häufig die Schuldenlast im Unternehmen zunächst ansteige. Private Equity werde aber im Mittelstand kontinuierlich bekannter und anerkannter, verbunden mit einer zunehmend differenzierten Nutzung dieser Option bei Finanzierungsstrategien oder Nachfolgeregelungen. Der deutsche Mittelstand müsse sich aber noch intensiver mit den Vorteilen beschäftigen, die der Einstieg von Finanzinvestoren bieten könne. Private Equity sei in vielen Fällen ein idealer Partner, um langfristige Geschäftsstrategien auf den Weg zu bringen. Die Kapitalkraft eines Finanzinvestors und dessen Bereitschaft, Phasen mit hohem Investitionsbedarf zu begleiten, böten Chancen, die mancher Mittelständler zum eigenen Nachteil ungenutzt lasse. Die Branchenexpertise und das Netzwerk wertvoller Kontakte, die ein zum Unternehmen passender Finanzinvestor einbringe, könnten neue Perspektiven eröffnen. Man sei zuversichtlich, dass dies nun auch im Mittelstand erkannt werde.
Vom lebhaften M & A-Geschäft im vergangenen Jahr hat die Angermann M & A International GmbH, Hamburg, überproportional profitiert. Wie das nach eigenen Angaben älteste Beratungsunternehmen für Mergers & Acquisitions im Mittelstand mitteilt, sind im abgelaufenen Geschäftsjahr zehn Transaktionen mit einem Transaktionsvolumen von insgesamt 508 Mill. Euro abgewickelt worden. Damit habe das Beratungsunternehmen das Volumen um 25 % im Vergleich zum Vorjahr gesteigert.
"Neben der weiter zunehmenden Aktivität von Beteiligungsgesellschaften in Deutschland konnten wir im vergangenen Jahr eine deutliche Zunahme der M & A-Aktivitäten im produzierenden Gewerbe feststellen", lässt sich der geschäftsführende Partner Hans Bethge in einer Pressemitteilung zitieren. Zu den von Angermann beratenen Firmen zählen der Mitteilung zufolge unter anderem DaimlerChrysler, Bilfinger Berger Industrial Services und Balda. Trotz der auffallend hohen Zunahme milliardenschwerer Transaktionen mit deutscher Beteiligung sieht Angermann den Schwerpunkt deutscher M & A-Tätigkeit im mittelständischen Sektor. Dabei hätten deutsche Unternehmen erstmals seit langem für mehr Geld ausländische Firmen gekauft als umgekehrt Ausländer deutsche Firmen. Ein weiteres Indiz für die zunehmende Bedeutung der Internationalisierung für den deutschen Mittelstand sei die Tatsache, dass die Zahl der innerdeutschen Transaktionen 2006 rückläufig gewesen sei.
Auch für das laufende Jahr erwartet Bethge ein lebhaftes Geschäft, da die Änderung bei den treibenden Einflussfaktoren derzeit nicht zu erkennen sei. Sowohl Finanz- als auch strategische Investoren verfügen nach seiner Einschätzung über extrem hohe Kapitalreserven. Zudem sei das internationale Zinsgefüge noch immer als stimulierend einzustufen. Außerdem sei in keiner Branche der Konzentrationsprozess endgültig abgeschlossen. Bethge sieht vielmehr Anzeichen, dass sich in der Energie-, Stahl- und Pharmabranche das Fusionskarussell aktuell noch schneller drehen wird. Dies werde sich dann auch auf andere Branchen ausweiten, wenn man vorangegangene M & A-Zyklen betrachte. Entsprechend werde die Konsolidierung innerhalb Europas das Geschäft in diesem Jahr prägen.
In der über 50-jährigen Geschäftstätigkeit hat die Angermann M & A International GmbH mehr als 2000 Mandate betreut. Als unabhängiger, mittelständischer Berater und exklusives deutsches Mitglied von M & A International Inc., der weltweit größten Organisation unabhängiger M & A-Beratungshäuser in 35 Ländern, betreut Angermann grenzüberschreitend die gesamte Bandbreite an Akquisitions- und Verkaufsstrategien.
2006 war gut. 2007 wird besser.
M&A-Ausblick 2007
Die M&A-Branche ist einhellig gut gelaunt. Eine gefüllte Dealpipeline, ein attraktives Finanzierungsumfeld und eine aufstrebende Konjunktur machen Hoffnung auf ein weiteres Erfolgsjahr. Nur wenige Unkenrufe warnen vor zu großer Sorglosigkeit. Von Christian Schlumpberger
Die M&A-Branche kann zufrieden sein. Das Jahr 2006 konnte selbst die guten Zahlen des Vorjahres noch einmal übertreffen und wird bei vielen Banken und Beratern als Rekordjahr verbucht werden. Bei den Transaktionen im deutschsprachigen Raum verzeichnete die FINANCE-DealBank im Vergleich zum Jahr 2005 einen Anstieg von gut 31 Prozent. Das Dealvolumen stieg im gleichen Zeitraum sogar um gut 37 Prozent. Trotz der teilweise rekordverdächtigen Zahlen des Vorjahres trauen Brancheninsider dem Markt in diesem Jahr noch eine weitere Steigerung zu. "Wir hatten selten so gute Rahmenbedingungen. Selbst im letzten Jahr waren wir anfangs weit weniger optimistisch als heute," erklärt beispielsweise Hans Bethge, geschäftsführender Partner bei Angermann International.
Konstante hohe Liquidität
Der wichtigste Grund für den anhaltenden Optimismus der Branche ist die allgemein hervorragende Liquidität. Nach den zahlreichen gelungenen Exits des vergangenen Jahres war das Fundraising der Private-Equity-Fonds ausgesprochen erfolgreich. Aber auch die Unternehmen sind nach einigen schwächeren Jahren wieder besser aufgestellt und für Akquisitionen gerüstet. Die günstige Zinslage erleichtert ihnen außerdem die Beschaffung von Fremdkapital, komplizierte Finanzierungsmodelle sind weitgehend überflüssig.
Es sind allerdings nicht nur die enormen Möglichkeiten, die den Markt antreiben, sondern auch handfeste Zwänge, denen Unternehmen und Investoren unterworfen sind. Die Geldgeber der Private-Equity-Gesellschaften erwarten Ergebnisse, das gesammelte Kapital muss deshalb möglichst zeitnah wieder gewinnbringend investiert werden. Aber auch die Unternehmen können sich nicht auf ihren jüngsten Erfolgen ausruhen. Wer am Markt nicht den Anschluss verlieren will, muss durch strategische Investitionen und gezielte Expansion seine Marktanteile verteidigen. Die Unternehmen nehmen den Mund wieder voll. Continental hat erst im Mai letzten Jahres eine 800-Millionen-Euro-Akquisition abgeschlossen und liebäugelt schon mit dem nächsten Kandidaten. Die Oetker-Gruppe hält trotz einiger großer Zukäufe im letzten Jahr eine Kriegskasse von einer Milliarde Euro bereit. Aber auch Voith, Zumtobel, Pfeiffer Vacuum oder Haniel haben Übernahmen angekündigt.
Die gute Liquidität und der Investitionsdruck auf Seiten der Käufer sind für potenzielle Verkäufer bares Geld wert. Die große Nachfrage hat die Preise bei Unternehmenstransaktionen in den letzten Jahren ansteigen lassen, was besonders im Mittelstand zu einer gestiegenen Verkaufsbereitschaft geführt hat.
Trotz der gestiegenen Preise ist der deutsche Markt nach Ansicht von Hans Bethge im internationalen Vergleich noch immer relativ günstig, was ihn auch für ausländische Investoren attraktiv macht. Besonders Unternehmen aus Indien und dem übrigen asiatischen Raum werden nach Ansicht von Götz Eilmann, Fachbereichsleiter M&A/Corporate bei der Kanzlei Linklaters Deutschland, im Jahr 2007 verstärkt in Deutschland mit Akquisitionen aktiv werden.
Es wird ordentlich gezahlt
Dennoch laufen die Käufer in einem so umkämpften Markt schnell Gefahr, zu hohe Preise zu bezahlen, was eine Wertschöpfung schwierig macht. So wurden 2006 beispielsweise für einige Zeitarbeitsfirmen Multiples in Rekordhöhe gezahlt.
Thomas Ehren, Managing Partner Advisory bei KPMG, bleibt dennoch gelassen: "Die Unternehmen haben aus den Fehlern, die während des letzten Booms gemacht wurden, gelernt. Das Pricing wird heute viel besser geplant, und die Verantwortlichen sind allgemein vorsichtiger geworden." Außerdem weist er auf die verbesserte Finanzkraft der strategischen Käufer hin.
Der Anteil der Private-Equity-Deals wird nach Ansicht der Experten auch im kommenden Jahr stabil bleiben. Trotz der großen Zahl finanzstarker Fonds, rechnen die meisten allerdings nicht damit, dass die Beteiligungsgesellschaften gegenüber den Corporates weiter an Bedeutung gewinnen, da auch die Unternehmen derzeit ungebremst investieren. Eine gestiegene Seriosität der Beteiligungsgesellschaften und die guten Ergebnisse der vergangenen Jahre haben allerdings dazu geführt, dass besonders im Mittelstand Vorbehalte gegenüber Private Equity abgebaut werden konnten. Götz Eilmann weist aber darauf hin, dass selbst vereinzelte medienwirksame Negativbeispiele schnell wieder zu einer wachsenden Zurückhaltung gegenüber Private Equity führen könnten.
Thomas Ehren ist außerdem skeptisch, ob das hohe Leveraging der vergangenen Monate auch im Jahr 2007 fortgeführt werden kann. Negativbeispiele wie Schefenacker hätten in der Vergangenheit gezeigt, dass man übernommene Unternehmen nicht beliebig belasten darf. "Im Moment ist das Leverage-Niveau sehr hoch, das muss kritisch beobachtet werden. Ich kenne einige Restrukturierer, die in den kommenden zwei Jahren mit zusätzlicher Arbeit rechnen."
Weltkonjunktur als Risiko
Das größte Risikopotenzial sieht die Branche in einer allgemeinen Verschlechterung der Konjunktur. In diesem Fall würde zwangsläufig auch der M&A Markt in Mitleidenschaft gezogen werden. Hans Bethge weist auf die psychologischen Auswirkungen der konjunkturellen Lage hin: "Derzeit profitiert gerade der deutsche Markt von einer allgemeinen Aufbruchstimmung. Viele Käufer, die sonst vielleicht zurückhaltender wären, lassen sich von der guten Stimmung mitreißen." Als mögliche Schwachstellen der guten Konjunktur sieht die Branche vor allem die USA und Asien. Aber auch Terroranschläge oder ein starker Anstieg des Ölpreises könnten dem Markt schaden. Das Risiko einer verschlechterten Liquidität durch gestiegene Zinsen oder ein zurückhaltenderes Finanzierungsverhalten der Banken, halten die Experten dagegen für überschaubar.
Das Jahr 2007 weckt große Erwartungen. Lange waren die Wirtschaftsaussichten nicht mehr so rosig. Doch sie könnten durch neue Vorschriften für Unternehmen getrübt werden.
Von Heidrun Krost
Der Aufschwung ist noch nicht am Ende - trotz Mehrwertsteuererhöhung. Darin sind sich die Experten der großen deutschen Wirtschaftsprognoseinstitute einig. Sie rechnen mit einem Wirtschaftswachstum von erneut über 2 Prozent. Auch die eher zurückhaltenden Bankenvolkswirte haben sich in den vergangenen Wochen bei den Wirtschaftsoptimisten eingereiht. Ob die Entwicklung jedoch konsumwirksam ist? Bei dieser Frage bleiben die Prognosen eher schwammig. Denn tatsächlich muss sich erst einmal erweisen, wie sich die Steuereintreibmodelle von Rot-Schwarz im Portemonnaie des Konsumenten auswirken. Denn mit Glockenschlag zum Neuen Jahr verringern sich die Möglichkeiten für werden Berufspendler, Sparer, Heimarbeiter oder Immobilienerben, Steuern zu sparen. Viele Freibeträge werden deutlich verringert. Hinzu kommen die zu erwartenden Belastungen durch steigende Energie- oder Mietkosten, welche durch die Zuwächse beim Einkommen wohl nur knapp aufgefangen werden. Dies zumindest räumen bei aller Aufbruchsstimmung auch die Handelsexperten des Münchener Ifo-Institut ein. Nicht berücksichtigt sind dabei die Hiobsbotschaften über Tariferhöhungen der Krankenversicherungen, die kurz vor Jahresschluss auch die Arbeitgeber auf den Plan gerufen haben.
Trotz des kleinen Dämpfers der GfK, die kurz vor Jahreswechsel wieder ein sinkendes Konsumklima registrierte, herrscht nach wie vor Konsumoptimismus. Für den Einzelhandel war 2006 zunächst einmal ein vergleichbar gutes Jahr. Mit einer Umsatzsteigerung, die preisbereinigt bei immerhin 1 Prozent liegt, will man sich laut Holger Wenzel vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) wohl nicht zufrieden geben. Aber ein Anfang ist gemacht. Die Vorzieheffekte durch die Mehrwertsteuererhöhung haben vor allem Spezialsortimente wie die Möbel- und Elektrogerätebranche sowie den Baufachhandel zum Jahresschluss nach vorne katapultiert.
Eine Wachstumsbranche wird der Einzelhandel deshalb noch lange nicht werden. Laut einer Zukunftsstudie der Deutsche Bank Research wird der Einzelhandelsumsatz in den kommenden zehn Jahren lediglich um ein Prozent pro Jahr steigen. Josef Auer, Autor der Studie, sieht es nüchtern: "Eine grundlegende Besserung der Renditen ist angesichts dieses nur mäßigen Wachstums nicht zu erwarten." Aufgrund des harten Wettbewerbs rechnet der Deutsche-Bank-Analyst mit weiteren Strukturbereinigungen. Im Einzelhandel sei mit einer weiteren "Ausdünnung der Mitte, sofern sie ohne klare Fokussierung ist" zu rechnen. Längerfristig könnten Rabattaktionen und Aldisierung zu Anpassungen der Einzelhandelsstruktur nach unten führen, so warnt er.
Weitere Übernahmen
Für Dr. Lutz Becker, Geschäftsführer der Angermann M & A International GmbH kann am Ende dieses Verdrängungswettbewerbs eine Konsolidierung hin zu einer oligopolistischen und stark konzentrierten Anbieterstruktur wie in Großbritannien stehen. "Nur so sind langfristig auch Preiskämpfe einzudämmen und wieder höhere Renditen möglich." Mit dem Rückzug von Wal-Mart sieht Becker bereits eine neue Welle der Marktbereinigung eingeläutet. "Verstärktes Marketing, Treuesysteme oder Handelsmarken sind nur temporär wirksame Maßnahmen, um sich im Markt zu behaupten", glaubt er. Vor allem aber sieht das Hamburger Beratungsunternehmen, das weltweit Fusionen und Übernahmen (so genannte Unternehmenstransaktionen) begleitet, bedingt durch die Umsatzsteuererhöhung einen wachsenden Preisdruck, der "insbesondere die Preisecklagen treffen wird".
Wie Becker sieht auch Ali Tasbasi, Direktor bei der M & A International GmbH, die Zeit großer Unternehmenstransaktionen in europäischen Maßstab noch nicht abgeschlossen. "Die Erwartungen an das Jahr 2007 sind mitunter aber auch recht hoch." Das Kronberger Beratungsunternehmen rechnet mit noch weiter ansteigenden Transaktionszahlen, die allerdings auch gekoppelt sind an eine weiterhin gute Entwicklung der Dax-Werte. Unterm Strich jedoch werden aus Sicht der M&A-Experten in Europa und auch in Deutschland in den nächsten Jahren die letzten großen Übernahmeschlachten geschlagen. Und die könnten teuer werden, denn, wie Becker erläutert, sei das Preisniveau für Unternehmenskäufe im Lebensmitteleinzelhandel durch strategische Käufer auf Rekordniveau gestiegen. Lagen die Multiplikatoren gewöhnlich beim sechs- bis neunfachen Ebitda, so seien Branchenteilnehmer in jüngster Zeit bereit, bis zum Vierzehnfachen des Ebitda für eine attraktive Akquisition auszugeben.
Gute Ratings sind unabdingbar
Im Kampf ums Überlegen und beim Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit zeichnen sich gerade für kleine und mittlere Betriebe zusätzliche Belastungen ab. Eine zu geringe Eigenkapitaldecke könnte zum Stolperstein werden. Mit Jahreswechsel greifen die seit Jahren diskutierten Eigenkapitalvorschriften nach Basel II. Die Kapitalunterlegung von Bankkrediten hängt künftig von der Bonität der Kunden ab. Je "riskanter" der Kredit, desto höher die Risikovorsorge für die Bank, die mehr Geld kostet. Obwohl die Mehrzahl der Institute die neuen Eigenkapitalregeln erst 2008 einführen dürfte, sind die Vorboten längst zu verspüren. Gute Ratings werden unabdingbar. Wer aus Sicht seiner Hausbank dabei schlecht abschneidet, für den wird der Betriebskredit entweder um ein Vielfaches teurer oder er muss sich Alternativen zuwenden, um an Fremdkapital heranzukommen.
Schlussendlich dürfte der Mittelstand 2007 auch noch stärker in den Fokus von Private-Equity-Investoren geraten, was allerdings meist bedeutet, Kontroll- und Zustimmungsrechte voll in die Hände der Interimseigner zu legen. Auch Forderungsverkauf (Factoring), Leasing oder Mezzanine-Produkte dürften weiter Aufwind bekommen. Sie gelten als Eigenkapital schonend und bilanzneutral und schaffen direkt oder indirekt größere Liquidität und Handlungsfähigkeit.
So meldete der Deutsche Factoring-Verband e.V. bis Anfang Dezember 2006 erneut eine Steigerung des Factoringvolumens um 30,74 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Gerade der Mittelstand braucht eine Finanzierungsbasis", sagt Verbandsgeschäftsführer Dr. Alexander M. Moseschus mit Blick auf Basel II und verweist auf eine Analyse des Instituts für Insolvenz und Sanierung der Universität Mannheim (ZIS). Danach sind Finanzierungslücken in 78 Prozent der Fälle Ursache für Insolvenzen. Durch Forderungsverkäufe kommen Mittelständler schneller an ihr Geld und könnten vor allem Skonti einstreichen. Trotz dieser Vorteile führt der Forderungsverkauf unter den alternativen Finanzierungsformen beim Mittelständlern noch ein Schattendasein, ähnlich wie Genussscheine, Wandel- und Optionsanleihen, die als so genannte Mezzanine-Produkte mittlerweile von vielen Großbanken für Mittelständler auf Maß geschneidert werden. Besser etabliert hingegen sind Leasing-Modelle, wie sie etwa die Karlsruher dm-Drogeriemarkt für sein Mannheimer Verteilzentrum einsetzt.
Basel II jedenfalls taugt nicht mehr als Schreckgespenst. Denn die strengeren Vorschriften führten bereits im Vorfeld dazu, dass sich Unternehmen stärker mit ihrer Kapitalstruktur beschäftigen und zu neuen, vielleicht auch sinnvolleren Alternativen als dem Betriebsmittelkredit greifen. Bemerkenswert auch: Hinter vielen alternativen Finanzierungsformen stehen die bereits bekannten Kreditinstitute, die ihr Portfolio entsprechend angepasst haben. Denn der Mittelstand ist nach wie vor eine interessante Kundengruppe. Auch sind neue Anbieter dazugekommen, wie etwa die Royal Bank of Scotland oder die Citibank, die jetzt auch Finanzierungskonzepte für größere Mittelständler anbieten.
Kein Investitions-Sturm
Neben Mehrwertsteuererhöhung und strengeren Kreditrichtlinien stehen Unternehmen im neuen Jahr 2007 vor allem zwei große Reformpakete ins Haus. Weitgehend entlastend dürfte sich die geplante Unternehmenssteuerreform auswirken. Sie soll bis zur Sommerpause ihren Weg durch die politischen Instanzen genommen haben. Einen Sturm der Investitionsbereitschaft hat das Reformmodell, auf das sich Rot-Schwarz im November geeinigt hat, jedoch in den Unternehmen noch nicht ausgelöst (siehe Kasten).
Umstritten ist noch die Erbschaftssteuerreform, die von der Politik gerne als "Entlastung des Mittelstands" propagiert wird. Geplant ist, die Steuerlast aufzuteilen. Den Firmenerben soll mit jedem Jahr der Betriebsfortführung zehn Prozent der Steuerschuld erlassen werden. Um von dieser Entlastung zu profitieren, müssen die Nachfolger jedoch zahlreiche Forderungen erfüllen. Die SPD will das Zugeständnis zudem an den Erhalt von Arbeitsplätzen knüpfen. "Wir wollen, dass die nächste Generation bereit ist, Verantwortung zu übernehmen", heißt es dazu vom CDU-Politiker und niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff, der für die Reform als "Mittelstandsentlastungsgesetz" wirbt.
In der Praxis jedoch birgt die Neufassung der Erbschaftssteuerregelungen allerhand Fallstricke. So warnt etwa die Deutsche Anwalts- Notar und Steuerberatervereinigung für Erb- und Familienrecht in Nürnberg vor möglichen Steuernachforderungen, falls Betriebsnachfolger die Zehnjahresfrist nicht durchhalten können. Trotz Stundung verdoppele bis verdreifache sich die Erbschafts- und Schenkungssteuer durch den Wegfall von Freibeträgen und Bewertungsabschlägen sogar. Dem Kieler Steuerberater und Vizepräsident der Nürnberger Standesvereinigung zufolge steckt "der Teufel im Detail". So müsse der Betrieb im Sinne des Umwandlungssteuergesetzes in "einem nach dem Gesamtbild der wirtschaftlichen Verhältnisse vergleichbaren Umfang weitergeführt werden".
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